 schreiend wiederholte.
Der Mörder, eine kräftige Gestalt, riss den Arm los, stieß den unbekannten Helfer
zur Seite und sprang an der Gruppe der herbeikommenden Schaarwache vorüber,
deren schwere eisenbeschlagene Stöcke auf dem Steinpflaster rasselten. Ein
Pistolenschuss knallte hinter ihm drein, aber die Kugel schlug neben ihm hin in
die Häuserwand und er setzte unbehindert seine Flucht fort, alsbald in den
Quergässchen, die nach Tophana hinunter führen, verschwindend.
    Unterdes richtete der fremde Retter den Deutschen empor, - die Laternen der
herbeieilenden Wache erhellten die Szene.
    »Gregor?!«
    »Welland?!«
    Vor ihm stand Karaiskakis mit dem Knaben Mauro, die so seltsam der Zufall zu
seinen Rettern gemacht hatte. Ein nahes Stöhnen und Wimmern verhinderte jedoch
alle Fragen und Erörterungen, Alle eilten die Straße hinauf, und vor Paduani's
Tür - den Schlüssel zum Oeffnen in der Hand, - auf der eigenen Schwelle im
Todeskampf sich windend, fanden sie den blutigen Körper des Italieners von fünf
Dolchstichen durchbohrt40. - -
    Es war spät in der Nacht, als Welland mit den wiedergefundenen Freuden das
Haus des Ermordeten verließ, nachdem alle Bemühungen zu dessen Rettung sich
vergeblich gezeigt hatten.
    Wenn man von der Perastrasse am russischen Gesandtschaftshotel vorüber den
Weg nach Tophana zur Moschee Kilidsch-Ali-Pascha und zur Kanonengiesserei
treppenartig hinuntersteigt, findet man rechts nach den belebten Teilen von
Galata hin eine Menge wirrer einsamer Quergässchen, deren Aussehen schon
keineswegs sehr viel Sicherheit verspricht.
    Hier befindet sich der berüchtigtste Schlupfwinkel aller Räuber und Mörder
von ganz Konstantinopel, das Maltesergässchen, das Hauptquartier des Auswurfs
aller Nationen, der hier ungestört und sicher sein Wesen treibt; denn nach
Dunkelwerden wagt sich kein ehrlicher Mensch mehr in diese Umgebung und die
türkische Polizei hält höchstens ein Mal, wenn der Gesandte einer großen Macht
wegen vorgefallener Räubereien oder Mordtaten an Untertanen derselben Lärm
erhebt, eine Razzia, die gewöhnlich zu Nichts führt, als dass ein oder der andere
gewöhnlich unschuldige Vagabond aufgegriffen und einen Kopf kürzer gemacht wird.
    Zur Zeit unserer Erzählung war die Unsicherheit in Konstantinopel auffallend
im Wachsen, was offenbar mit dem Zusammenströmen der Ausgestossenen aus allen
Himmelsgegenden zusammenhing, die bei den Kriegsereignissen entweder eine
Beschäftigung oder eine Gelegenheit zu Raub und Plünderung zu finden hofften.
Die Kategorieen, in die sich diese Gesellschaft verzweifelter Menschen teilte,
waren natürlich sehr zahlreich. Von den Führern und Propagandisten der
Revolutionen in Frankreich, Italien, Ungarn, Deutschland und Polen, von den
Offizieren der Schlachtfelder von Novara, Wien, Waghäusel und Schässburg, die
ehrlichen Dienst im türkischen Heer suchten oder die Zwecke der revolutionairen
Propaganda verfolgten, bis zum maltesischen Banditen und dem tunesischen Räuber
herab, der um Para's einen Dolchstoss gibt und um wenige Piaster ein
Menschenleben mordet. Welche furchtbaren Szenen in diesen
