 Hauptfigur derselben, Karagoïs
genannt, ist eine Art komischer Don Juan oder frivoler Hanswurst, der in
verschiedene Liebesabenteuer gerät, wobei namentlich Griechen und Griechinnen
fungiren. Der Dialog wimmelt, wozu die türkische Sprache leicht Gelegenheit
gibt, von den infamsten Zweideutigkeiten, die Actionen und Szenen aber sind der
Art, dass die »Sittlichkeit« der europäischen Bordelle davor erröten würde.
    Diese Sorte von Schauspielen ist nicht allein unter dem Volk in Stambul eine
der beliebtesten Unterhaltungen und findet öffentlich argen Entré statt, wobei
ein großer Teil des Publikums aus Kindern besteht, sondern sie sind eben so ein
gesuchtes Amüsement in den Harems der Reichen, und viele der Würdenträger halten
sich besondere Darsteller. Namentlich erpicht sind die Frauen aus diese
Schauspiele und es gibt für dieselben auch besondere öffentliche Theater, in
denen sie in Gitterlogen sitzen.
    Die Variationen derselben sind sehr mannigfaltig. Was die ausschweifendste,
aller Schaam baare Phantasie erdenken kann, ist durchgängig der Gegenstand nicht
nur der Worte, sondern der Action, um die physische Erschlaffung aufzustacheln.
Unter solchen Verhältnissen wird es der Leser dem Autor erlassen, auf eine
nähere Beschreibung des angedeuteten Schauspiels einzugehen.
    Es hatte wohl eine Stunde gedauert, als der Padischah selbst das Zeichen zu
seiner Beendigung gab. Die Schauspieler und der Vorhang verschwanden, die Kerzen
wurden auf's Neue angezündet und Kaffee und Zuckerwerk gebracht.
    Diesmal sah die Sultana ihre Arrangements von einem Erfolg begleitet. Die
Stirn des Großherrn zeigte eine leichte Röte, seine Augen hatten sich belebt,
und als der Glanz der Lichter das Gemach wieder durchstrahlte, irrten sie über
den Reizen seiner Odalisken umher und blieben dann auf Mariam, der Mingrelierin,
mit einem Ausdruck von Zärtlichkeit und Feuer haften, dessen Bedeutung nicht zu
verkennen war und den das Mädchen mit gleicher Sehnsucht erwiderte.
    Der Padischah machte eine Bewegung nach dem Kislar-Aga, zu dessen Vorrechten
es gehört, der begünstigten Kadine oder Odaliske die ihr zugedachte Auszeichnung
zu verkünden, als die Sultana dem Befehl zuvorkam und sich vor dem Großherrn auf
die Knie warf.
    »Möge das Licht der Welt,« sagte sie schmeichelnd, »seiner Sklavin noch
einige Augenblicke seiner kostbaren Zeit gewähren und seine Augen auf ein
Geschenk werfen, das sie für ihn bereit hält.«
    Der Sultan setzte sich wieder.
    »Was ist es, o Khanum? Du weißt, dass ich der Mutter meines Sohnes ihr Recht
nicht verweigere.«
    Die Sultana verneigte sich. Als sie sich erhob, streifte ihr Blick mit dem
Vorgefühl des Triumphes über die getäuschte Nebenbuhlerin hin, die mit einiger
Beunruhigung auf den unerwarteten Zwischenvorgang sah. Dann klatschte sie zwei
Mal in die Hände und alsbald öffnete sich der Vorhang der unteren Seitentür
nochmals, und von zwei schwarzen Sclavinnen geführt, trat eine ganz in einen
weiten
