 und Gebieter die Sklavin und ihr Kind anzuerkennen. Bis dahin suchten Beide
auf alle mögliche Weise die Schwangerschaft zu verbergen. Aber der Neid der
Odalisken brachte sie an den Tag, und der Sultan stellte die grauenvolle Wahl,
dass entweder das ungeborene Kind oder die Sklavin geopfert werden müsse. Die
Geliebte des Prinzen weigerte auch jetzt noch standhaft das Verbrechen gegen die
Natur, und als der junge Abdul zwei Abende darauf den Harem besuchte - war sie
verschwunden: man hatte sie erdrosselt.
    Vier Wochen nachher starb Sultan Mahmud am Delirium in seinem Kiosk auf den
Höhen von Goksu am asiatischen Ufer des Bosporus.
    Abdul Medschid gelangte mit sechszehn Jahren zum Sultanat, doch hatte er
damit kaum den Herrn gewechselt, denn die Sultanin Valide, seine Mutter, und die
Intriguen des alten Chosrew-Pascha hielten ihn unter ihrem Druck, bis zwischen
Beiden selbst Feindschaft ausbrach. Auch nachher noch gönnte er seiner Mutter
einen großen Einfluss auf die Regierungsgeschäfte, bis sie im Frühjahr 1853
starb.
    Kurz vorher, ehe sie erkrankte, hatte der Grossherr von Ali Pascha, dem
Gouverneur von Brussa, die Odaliske Mariam zum Geschenk erhalten und ihr alsbald
eine besondere Aufmerksamkeit gewidmet, da sie seiner gemordeten ersten
Geliebten auffallend ähnlich sein sollte. Dieser Vorzug hatte natürlich unter
den Frauen des Harems bedeutende Aufregung und Eifersucht hervorgerufen und ihre
Intriguen und die Herrschsucht der Mutter des Tronfolgers erschwerten den
Umgang des Sultans mit seiner neuen Geliebten auf alle mögliche Weise. Man sah
in ihr nicht nur die gefährliche Nebenbuhlerin um die persönliche Gunst des
Sultans, sondern auch um den politischen Einfluss, und es ging das Gerücht im
Harem, dass sie eine heimliche Christin und von der russischen Partei in den
Harem gebracht sei. Wir haben bereits angedeutet, dass man einer Schwangerschaft
zuvorgekommen war, da sie die Geburt eines Kindes den Sultaninnen mindestens
gleichgestellt hätte, während die Unfruchtbarkeit der Kadinen für eine Schmach
gehalten wird und diese ohne Rechte nur in der Lage einer begünstigten Sklavin
verbleiben lässt. Selbst der Wille und die Macht des Sultans vermochten sie kaum
genügend gegen die Angriffe ihrer Feindinnen zu schützen.
    Wir haben oben die eigentümliche Schönheit der jungen Odaliske beschrieben.
Sie war eine Mingrelierin von Geburt, mit ihrer Mutter - einer Russin - als Kind
in die Hände kurdischer Räuber gefallen und später unter den Schutz Ali Pascha's
gekommen, der sie dem Harem seines Gebieters bei passender Gelegenheit zum
Geschenk machte. Näheres wusste und erfuhr man nicht von ihr, doch war es bald
offenbar, dass sie dankbar für die Gunst des Großherrn diesem mit ganzem Herzen
anhing und ihn hingebend liebte. -
    Ein Schlag der Silberbecken, die während des Ganges durch das Gemach
geschwiegen hatten, verkündete, dass der Grossherr Platz genommen, und auf dies
Zeichen erhoben Alle das Haupt und es
