 sind natürlich in vielen Beziehungen
verschieden. Der Harem des gegenwärtigen Sultans bestand im Sommer 1853 aus etwa
700 Odalisken, den schönsten Sclavinnen aus verschiedenen Ländern, welche die im
Frühjahr desselben Jahres verstorbene Sultana Valide zum großen Teil selbst
gewählt. Alles, was an Schönheit und Reiz der weiblichen Formen, auf die der
Asiate so viel gibt, sich in den verschiedenen Abstufungen der Farben findet,
ist hier versammelt: die prächtige Büste der üppigen Georgierin mit den großen
mandelförmigen Augen und den feingeschnittenen Brauen, die schlanke, ebenmässige
Figur der circassischen Schönheit, wie der volle Wuchs und der feine, zarte
Teint der Frauen von den griechischen Inseln, bis zur Ebenholzfarbe und der
großen apollinischen Gestalt der schwarzen Sklavin aus jenen Stämmen des Sennar
und Darfur, die sich durch ihren ebenmässigen Körperbau auszeichnen; die feine
zierliche Gestalt der ächten Araberin mit ihrer blassbraunen durchsichtigen Haut
und den Rehaugen, und selbst die Europäerin, namentlich aus den südlichen
Staaten, Italien, Spanien, Sizilien etc.; denn obschon die Geheimnisse des
Harems ziemlich unzugänglich sind, verlautet doch gar Vieles daraus und es ist
bekannt, dass der Harem des vorigen und des gegenwärtigen Sultans viele
Europäerinnen enthalten. Die Frauen, die der Sultan aus der Zahl der Odalisken
zur Teilung seines Lagers wählt, heißen Kadinen, und die erste derselben, die
dem Padischah einen männlichen Erben schenkt, gilt als die Favorit-Sultana und
ihr Einfluss ist sehr bedeutend. Sobald ihr Sohn zur Regierung kommt, führt sie
den Titel Sultanin Valide. - Der Sultan entlässt und wechselt übrigens, mit
Ausnahme der Mütter seiner Kinder, seine Kadinen nach Belieben und häufig werden
sie und die Odalisken mit Würdenträgern des Reichs vermählt, oder ihnen
geschenkt. Das Salische Gesetz hat in der Türkei volle Geltung, denn die
Tronfolge erbt nie auf die Töchter fort und nur in der männlichen Linie weiter.
Ein furchtbarer Gebrauch in der regierenden Familie vom Stamme Osmans und ein
Regierungsprincip ist es, dass weder die Brüder noch die Söhne des Sultans
überhaupt Nachkommenschaft, ihre Schwestern aber mir weibliche haben dürfen. Die
Söhne derselben werden sofort nach der Geburt erdrosselt.
    Das ist auch eines der dunklen Geheimnisse der Harems!
    Die Kadinen eines verstorbenen Sultans dürfen nicht wieder heiraten und
werden nach dem Eski-Serai - dem alten Serail, in der Mitte von Stambul belegen,
- gebracht; der Harem des regierenden Sultans bewohnt gegenwärtig den nördlichen
Flügel des Palastes von Tschiragan und folgt seinem Herrn ganz oder zum Teil
nach den verschiedenen Schlössern; in welchen er seinen Aufenthalt nimmt.
Derselbe wird bei Weitem strenger überwacht, als der Harem eines Privatmannes.
Die große Zahl von jugendlich kräftigen Frauen bleibt fortwährend in den
Gemächern eingeschlossen und ihre einzige Erholung in frischer Luft ist, wenn -
was höchstens drei bis vier Mal im
