
für die Interessen Eurer Majestät verwenden können, als dass er sie unberührt
nach Odessa wieder zurückgebracht hat. Der tiefe Verfall der Türkei bedingt, dass
in Konstantinopel Alles für Geld feil ist.«
    »Er ist ein Eisenkopf,« sagte der Kaiser, »und hasst die Türken.«
    »Ein wichtiger Teil der kriegslustigen Partei waren von Anfang an die
Ulema's und Softa's8. Es ist dies natürlich, da sie eigentlich den
Ultramontanismus des Islam vertreten und für die eigene Existenz kämpfen. Euer
Majestät wissen aus den früheren Berichten, dass Sultan Abdul Meschid aller
Energie baar und ein Spielwerk in der Hand seiner Umgebungen ist. Um so mehr ist
die geringe Diplomatie des Fürsten Mentschikoff zu beklagen. Reschid Pascha hat
zwar die westmächtlichen Sympatieen, ist aber klug genug, einzusehen, dass der
Türkei das unbeschränkte Bündnis mit Frankreich und England mehr Opfer kosten
wird, als alle Forderungen des bisherigen diesseitigen Einflusses. Es lebt ein
tiefes unabweisbares Gefühl in der türkischen Bevölkerung, dass eine gewaltsame
Entscheidung zwischen der Herrschaft des Islam nur des Christentums erfolgen
müsse. Selbst die Friedensfreunde suchen sie nur hinauszuschieben.«
    »Der unheilbar kranke Mann. Meine Grossmutter9 hat es schon gesagt.«
    »Bereits seit Anfang des Monats hat man an verschiedenen Orten
Konstantinopels Anschläge gefunden, durch welche der Sultan aufgefordert wurde,
die Fahne des Propheten gegen die Christen zu erheben, oder abzudanken. Die
Softa's und Ulema's hielten geheime Versammlungen, und am 10. überreichte eine
Deputation von ihnen, von einer großen Versammlung auf dem Atmeidan gesandt, dem
Konseil eine Adresse an den Sultan, in welcher durch Sprüche aus dem Koran die
Notwendigkeit des Krieges dargetan wurde. Eine zweite Adresse forderte ihn
auf, bis zum Beginn des Beiram, bis zum 15., seine Entscheidung abzugeben, oder
dem Throne zu entsagen!«
    »Ha! Advokaten, Pfaffen mich dort!«
    »Wir wissen ganz bestimmt, Sire, dass diese Bewegung im Stillen von Ruschdi
und zwar im Auftrage von Mehemed Ali geleitet wurde. Sowohl Lord Redeliffe, als
Herr de Latour wussten darum, denn nachdem sie auf Grund der bald und mit einem
Dutzend Köpfe der Softa's gedämpften Emeute erklärt hatten, dass sie zum Schutz
der Christen am Beiram einige Kriegsschiffe nach Konstantinopel rufen würden,
trafen ohne den Ferman, den der Sultan für die Flotten beharrlich verweigert,
bereits am Morgen des 15. von den Geschwadern in der Besika-Bai zwei englische
und zwei französische Dampffregatten ein. - Dies wäre ganz unmöglich gewesen,
wenn dieselben nicht bereits vorher Anweisung gehabt hätten. Die
englischfranzösische Absicht liegt daher klar am Tage.«
    »Und der Beiram?«
    »Die Prozession ist ruhig vorüber gegangen.«
    Der Kaiser blieb am Tische
