 Note der französischen Regierung vom 15., welche uns das Recht der
Besetzung streitig macht, und der Pforte daraus dasjenige vindicirt, den beiden
Mächten die Passage der Dardanellen zu gestatten. Auch das englische Kabinet
antwortete in gleicher Weise unserer Circular-Depesche vom 2. Juli. Während
hierauf die Gesandten der vier Grossmächte in Konstantinopel darüber
verhandelten, den Protest der Pforte gegen unser Einrücken in die Fürstentümer
uns mundrecht zu machen, und die Pforte den von Lord Stratfort redigirten
Noten-Entwurf am 23. Juli annahm, hatte am selben Tage der Minister des
Auswärtigen in Wien, Graf Buol, die Repräsentanten Preußens, Englands und
Frankreichs bei sich vereinigt, um in Wien selbst einen Ausgleichungsvorschlag
zu vereinbaren, dem die frühere französische Note zur Grundlage diente.«
    »Es war ein unglückliches Zusammentreffen, dass beide Vorschläge gleichzeitig
concurrirten.«
    »So sehe auch ich es an, Excellenz. Graf Buol fügte der französischen Note
zwei Verbesserungen bei, deren eine die Erklärung der Pforte enthält, den
Vertrag von Kainardji treu beobachten zu wollen. Der englische Gesandte setzte
hierbei die unnütze Änderung durch, dass dem ganz klar lautenden Vertrage von
Kainardji von uns nicht eine beliebige Auslegung gegeben werden dürfe.«
    »Ich weiß nicht, Herr Baron, ob diese Einschaltung so unnötig war,«
unterbrach ihn der Minister; »wenigstens hat die Folge gezeigt, dass gerade die
Auslegung den streitigen Punkt abgab. Jedenfalls war das preußische Gouvernement
ganz mit dem Vorschlage des Herrn Grafen Buol einverstanden, den unterdes von
Konstantinopel eingegangenen Noten-Entwurf zurückzubehalten und den der wiener
Konferenz zur Annahme zu empfehlen.«
    »Die Feststellung desselben erfolgte am 31.; Oberst von Ruff ging mit einem
eigenhändigen Schreiben Seiner Majestät des Kaisers Franz Joseph nach
Konstantinopel, um dem Sultan die Annahme des Vermittelungsvorschlages auf das
Dringendste zu empfehlen, und die Regierungen von England, Frankreich und
Preußen - wir wollen vorläufig an die Aufrichtigkeit der beiden ersten glauben -
instruirten ihre Gesandten bei beiden Kabineten, alle Bemühungen darauf zu
richten, dass die Note acceptirt werde.«
    »Graf Nesselrode benachrichtigte bereits am 3. August unsern Gesandten in
Wien, dass Seine Majestät der Kaiser die wiener Note angenommen habe, und die
Depesche vom 6. brachte die ausführliche Erklärung über diese Annahme unter der
Voraussetzung, dass die Pforte sie auch unverändert acceptire. Wenn nicht, konnte
sich Russland, das sich der Annahme nur zur Beschwichtigung der Besorgnisse
Europa's unterworfen hatte, nicht weiter für gebunden halten. Sie werden mir
zugestehen, Exzellenz, dass hier die Sachlage und die Verpflichtung ganz einfach
und klar ist. Die vier Grossmächte stellen - unabhängig von den streitenden
Parteien - die für den Frieden Europa's und die Lösung des Zwistes von ihnen
notwendig gehaltenen Punkte eines Abkommens fest
