?« fragte der Zahlmeister den Eilenben.
    »Der zweite Lieutenant, Sir, und Master Duncombe, der Doctor. Auch der junge
Maubridge.«
    »Schön! bringen Sie dem Kapitain meinen Empfehl und ich würde erscheinen.«
    Am Bord eines Schiffes weigert man sich selten, die Einladung eines
Kapitains anzunehmen.
    Auf dem Hinterdeck trat der erste Lieutenant zu seinem Vorgesetzten.
    »Der Dampfer hat gleichfalls gewendet, Sir, und scheint uns absichtlich
folgen zu wollen. Es ist die Veloce, Sir.«
    »Lassen Sie die Mannschaft ihr Essen nehmen, aber die Mittelwache in
Tätigkeit bleiben. Aendern Sie gefälligst von Zeit zu Zeit den Kours und
vermeiden Sie einen Segelstrich mit dem Franzosen. Es ist offenbar, dass der Narr
uns seine Schnelligkeit zeigen will.«
    Der erste Lieutenant tippte an den Hut und ging, um das Kommando an den
zweiten Lieutenant zu übergeben, der die Mittelwache hatte. Kapitain Warburne
spazierte mit seinem Gast auf dem Deck weiter umher.
    Die »Veloce3« schoss unterdes näher heran, stattlich und leicht, wie ein
Schwan durch die Wellen streift, einer jener schönen zierlichen Bauten, die
selbst das Auge eines britischen Seemannes entzücken mögen. Es ist bekannt
genug, dass zu Ende des vorigen und zu Anfang des jetzigen Jahrhunderts die
englische Marine ihre besten Schiffe den siegreichen Gefechten mit der
französischen Marine verdankte.
    Dicht unterm Spiegel des Niger wendete der Dampfer und schoss an seinem
Backbord vorüber, so dass alle auf den Decks befindlichen Gruppen gegenseitig
vollständig gesehen werden konnten.
    Wir haben die englische Fregatte bereits beschrieben; versetzen wir uns
einige Augenblicke vor der Begegnung auf das Hinterdeck des französischen
Dampfers.
    Alle, die beim Beginn des großen Krieges die Gelegenheit hatten, die
britischen und französischen Kriegsschiffe zu besuchen, sind erstaunt gewesen
über den großen Unterschied, der sich auf den Schiffen beider Nationen
bemerklich machte, und den überwiegend vorteilhaften Eindruck, welchen die
französische Marine gewährte. Während Offiziere und Schiffsvolk auf den
britischen Schiffen fast durchgängig etwas Steifes oder Plumpes, ja Brutales an
sich haben, und in dieser Art sich der ganze Dienst kamaschenartig regelt und
abspinnt, erscheint auf den französischen Schiffen Alles bei strenger Regelung
und Ordnung frisch, frei und beweglich. Es herrscht statt des drohenden
Gespenstes der neunschwänzigen Katze, welche noch immer und allein das Tier im
britischen Matrosen zähmen kann, ein natürlicher Geist anständiger Ordnung und
Disziplin unter den französischen Seeleuten, der der Individualität eines Jeden
vollen Spielraum lässt. Leben und Heiterkeit, ein Scherz, ein Spaß mitten im
regen Diensteifer, kurz ein gewisses point d'honneur, das nicht bloß im
Bulldoggenmut besteht, herrscht auf dem Vorderdeck eines französischen
Kriegsschiffs.
    Noch greller tritt der Unterschied in den beiderseitigen Offizier-Korps und
in dem Verhältnis der Vorgesetzten zu den
