 von gelber Farbe die reich mit
Gold gestickte offene Aermelweste, welche einen so schönen Schmuck und Teil des
griechischen Kostüms bildet, während das, gewöhnlich von einem jener herrlichen
smyrniotischen Fez's oder der längeren griechischen Troddelmütze bedeckte
Haupthaar frei um das schöne Gesicht wallte.
    Die Männer waren in einem ernsten Gespräche begriffen. Welland hatte die
Vorgänge des Tages in Smyrna mitgeteilt und die Rede sich nun auf die
politischen Verhältnisse und Ereignisse überhaupt gerichtet, die den Orient und
Occident zu erschüttern drohten, und auf beiden Seiten mächtige Rüstungen und
Vorbereitungen aller Art hervorriefen. Konstantinopel ward in diesem Augenblick
noch der Centralpunkt der diplomatischen Agitationen, und von hier aus spannen
sich die Fäden der Intrigue und Gegenintrigue, deren Auslaufen und Entscheidung
nur Wenige noch berechnen konnten.
    Karaiskakis, durch sein abenteuerndes umherziehendes Leben und die Vorgänge
der letzten Zeit nur wenig und unvollständig über den Stand der Angelegenheiten
unterrichtet, hatte den Freund um einen kurzen Umriss gebeten, und dieser gab ihm
denselben. Wir sind genötigt, ihn zu wiederholen, um den Leser vom Beginn
unserer Darstellung und jener Recapitulation im Dom der Invaliden zu Paris auf
die Zeit weiter zu führen, in welcher die gegenwärtigen Szenen spielen, - also
bis zu Ende des Juni 1853. Wir geben hier im Allgemeinen die Historie der
Angelegenheiten und ihre Entwickelung, wie sie sich aus den öffentlichen
Vorgängen und den diplomatischen Aktenstücken dem Auge Europa's dargestellt hat
und darstellen musste, den tieferen Einblick in die Veranlassungen, in die Zwecke
und den Gang für die weitere Ausführung unserer Szenen in Konstantinopel selbst
vorbehaltend.
    Man hatte in Wien frohlockt, dass der Tsar die Forderungen Oesterreichs in
der montenegrinischen Frage so kräftig unterstützte, sah aber jetzt, dass das
petersburger Kabinet damit einen viel wichtigeren Schlag in Konstantinopel
vorbereitet hatte. Russland, das seit Katarina II. mit mehr oder weniger kurzen
Unterbrechungen einen überwiegenden Einfluss in Konstantinopel ausgeübt hatte,
sah seit einiger Zeit denselben bedeutend geschmälert und bedroht, indem in dem
Divan immer mehr französische und englische Sympatieen - offenbar auch in Folge
des erweiterten socialen Verkehrs und der Erziehung junger Orientalen in Paris
und London so wie des Eindringens der liberalen und demokratischen Ideen des
Westens - sich geltend machten. Auch materiell hatten England und Frankreich
durch die Vermehrung von Konsulaten, neue Handelsverbindungen etc. in der Türkei
einen festern Fuß gefasst, und bedrohten von hier aus die russische Macht. Die
Frage wegen der politischen Flüchlinge nach dem ungarischen Kriege war durch
Englands Einfluss gegen Russland entschieden worden. Die türkischen Verhältnisse
selbst waren kaum länger haltbar ohne eine durchgreifende Reorganisation und
Änderung, das fühlten und sahen mehr noch als die europäischen Höfe die
einsichtsvolleren Orientalen selbst, und an solchen fehlte es keineswegs. Denn
der Einfluss, welchen alle Staaten Europa's nach und nach sich in der
