 der Kirchhof da im hellen Morgensonnenscheine; die hohe Mauer,
welche mit aus- und einspringenden Winkeln in einer ununterbrochen glänzenden
Linie, hie und da tiefe Schatten werfend, ihn umgibt, scheint darauf stolz zu
sein, und von ihrem Rande glänzen glatte Kieselsteine, helle Glasscherben und
dergleichen mehr gar wunderbar in der Sonne. - Und Alles ist hier so still und
aufmerksam; die Arbeiter haben zwei Gräber beendigt, ein großes auf dem
schönsten und freiesten Platze des Kirchhofs, ein kleines zwischen alten
hölzernen und vermoderten Kreuzen und eingesunkenen Hügeln in einem entfernten
Teile, wo man viele Gräber und wenig Wege sieht, wo die Besuchenden sparsam,
der blühenden Blumen wenige sind.
    Die subalternen Kirchhofbeamten sitzen auf der Treppe der Kapelle, sie haben
fadenscheinige schwärze Fräcke an, und Einer lässt eine zinnerne
Schnupftabaksdose herumgehen, welche mit den Emblemen seines Handwerks, einem
Totenkopf und zwei Knochen, geziert ist.
    Jetzt schlagen die Glocken auf dem Kirchturme in der Stadt an, und der
Schall dringt durch die klare Morgenluft recht hell herüber. Einige Augenblicke
scheinen selbst die Kreuze und Steine diesen bekannten Klängen zu lauschen; man
könnte glauben, hie und da strecke sich eines von ihnen, um auf den Weg zu
schauen und früher zu erfahren, wer denn dort schon wieder gebracht werde.
    Der geneigte Leser weiß es bereits, wenn er jetzt aus den Toren der Stadt
zwei Züge hervorkommen sieht, an der Spitze des einen den großen Trauerwagen mit
den reich geschirrten Pferden, an der Spitze des anderen aber einen
Kirchhofdiener, der unter seinem langen breiten Mantel Etwas trägt; er wird mit
uns den ersteren Zug vorbei lassen: eine lange Reihe von reichen Equipagen mit
bunten Wappenschildern am Schlag, Kutscher und Bediente in großer Livree, und er
will sich dem zweiten Zug anschließen, welcher von dem Hauptwege, den jener
andere stolz betritt, bescheiden abweicht und sich in den nämlichen Regionen des
Kirchhofs verliert, von denen wir oben gesprochen. Bei beiden Zügen sieht man
unter den Sacktüchern Tränen fließen; wenn es aber von der tiefen Trauer der
Anzüge abhinge, so müsste dort größerer Schmerz zu finden sein als hier.
    Hinter dem Manne mit dem Mantel schreiten die beiden kleinen Geschwister,
und die gute ältere Schwester hat das Mögliche getan, um sie der traurigen
Handlung gemäß herauszuputzen. Das kleine Mädchen trägt ein schwarzes
Merinokleid, das aber auf allen Nähten und den Aermeln schon stark in's
Rötliche schimmert; dem hellbraunen Röckchen des Bübchens eine andere Farbe zu
geben, war nicht wohl möglich, weshalb sich Klara begnügt hatte, an seiner Mütze
eine ziemlich lange Florschleife anzubringen, die an der Seite herunter hing und
von dem kleinen Leidtragenden mit bedeutendem Stolze betrachtet wurde.
    Die junge Tänzerin selbst ging mit ihrem Vater; hinter ihnen folgten
