 Reihe von traurigen Jahren zu durchleben.«
    »Und du glaubst, es sei kein Fall denkbar, wo der Selbstmord zu
entschuldigen sei?« meinte Herr Beil mit bitterem Lachen.
    »Zu entschuldigen nie,« entgegnete die Gestalt, »zu verzeihen nur in einem
einzigen.«
    »Und dieser einzige Fall -?«
    »Es ist nicht der deinige.«
    »Aber nenne ihn mir.«
    »Du wirst ihn vielleicht nicht einmal begreifen, ja du kannst ihn unmöglich
verstehen.«
    »Wer weiß! Nach den harten Worten, die du vorhin zu mir gesprochen, möchte
ich wohl wissen, unter welchen Bedingungen du den Selbstmord entschuldigen
würdest.«
    »Nun meinetwegen,« sagte die Gestalt, indem sie sich wieder etwas empor
richtete; »man solle einem Sterbenden keine Bitte abschlagen, und da du ein
solcher bist, so will ich dir meine Ansicht mitteilen. - Das Verbrechen, von
dem wir eben sprachen, könnte ich, wie gesagt, nur in einem einzigen Falle
entschuldigen, das wäre nämlich, wenn ein Selbstmörder wieder in's Leben
zurückgerufen würde und er dann von neuem Hand an sich legte, um so dem
Schlimmsten, was einen Menschen treffen kann, dem allgemeinen Hohne, der
allgemeinen und verdienten Verachtung zu entgehen.«
    »Dem Hohne und der Verachtung!« versetzte der Andere, und seine Zähne
klapperten auf einander. - »Aber nein, nein!« rief er nach einer Pause
leidenschaftlich, »ich weiß, wer du bist, du bist der Teufel! Du willst mich von
meinem Glücke zurückhalten, um die Lust zu haben, mich noch Jahre lang quälen zu
können.«
    Nach diesen Worten lachte das Phantom laut auf, aber es war ein gellendes,
unheimliches Gelächter. - »Nein, nein,« sagte es, »ich bin nicht der Teufel, -
vielleicht mit ihm verwandt; die trüben Leidenschaften, die sich deines Gehirns
bemeistert haben, lassen dich völlig unklar denken; wenn ich der Teufel nach
euren Begriffen wäre, so müsste ich an deinem Schritt meine Freude haben, denn
deine Seele wäre mir gewiss und ich bekäme sie bald. - Aber beruhige dich: für
euch Selbstmörder gibt es weder Teufel noch Engel, weder Belohnung noch Strafe,
und das ist gerade eure Strafe; mit dem Sprung in's Wasser lasst ihr all' eure
Hoffnung hinter euch. Diesseits könnt ihr nicht mehr Busse tun, um ein ewiges
Leben, an das wir ja Alle glauben wollen, zu erringen; denn ein ewiges Leben,
wenn auch voll Not und Qual, aber doch mit einem Schimmer von Hoffnung, ist
nicht für euch: ihr habt das Anrecht daran freiwillig weggeworfen.«
    »Ah!«
