 links zu blicken und dir genau zu betrachten
einen Stein, einen Strauch, ja jeden Gegenstand, den du willst; denn wenn du am
heutigen glückseligen Tage irgend etwas genau untersuchst, so entdeckst du
Zaubereien ohne Ende, ganze Eiswelten in jedem Maßstabe. Hier von der Wand des
Hohlwegs herab hingen gestern noch die kahlen erstorbenen Zweige einer
Brombeerstaude, nass, fast triefend von dem angesetzten Nebel, heute ist daraus
ein Brillantschmuck geworden, würdig, den Hut einer Fürstin zu zieren, ein
Schmuck von Tausenden von Diamantblumen in der phantastischsten Gestalt, und
jetzt, wo ein Strahl der Sonne darüber hingleitet, glänzend wie eine ganze
Million von Lichtbergen. Ja, so ein Tag verschönert mehr als Frühlingsluft und
Sommerhitze; bemerken wir nicht hier neben uns einen Erdhaufen, gestern noch
kahl, mit einigen mageren Grashalmen und zerstreutem Stroh, der heute mit einem
Mal eine ganze Eisresidenz geworden! Weiße Steine bilden eine förmliche Stadt,
die rings von Zaubergärten eingeschlossen ist; man muss nur genau hinsehen und
das Ding nicht oberflächlich betrachten. Es sind da Straßen und Plätze mit den
regelmässigsten Alleen von weissbereiften Grashalmen, auch imposante Waldungen;
nur Alles, was im Sommer grün erscheint, ist jetzt weiß und hat eine fabelhafte
Form. - Ah! es ist schade, dass unsere Illusion durch einen Sperling gestört
wird, der jetzt plötzlich in die Stadt hineinfliegt und den größten Platz mit
seinen beiden Füßen bedeckt. Aber auch er gehört zur Zauberwelt, denn wie er
jetzt nach einem Regenwurme pickt, den Kopf in den Reif steckt, ihn wieder empor
hebt, und ihn dann mit der Beute hin und her schlenkert, stieben von allen
Seiten funkelnde Brillanten davon. Doch gehen wir weiter.
    Wenn wir uns auch nicht mehr so in's Detail einlassen wollen, so erblicken
wir doch Sachen, die nicht minder merkwürdig sind. Auf der Spitze des Berges
steht eine kleine Laube, vom Ende eines Gehölzes blickt sie in's Tal; ihre
Mauern haben eine rötliche Farbe, zwei Fenster funkeln wie Augen. Über das
Dach schlingen sich wilde Reben, vielleicht auch Geisblatt, und hängen an den
Seiten herab, Alles mit Reif überzogen; sie verleihen der Front des Häuschens,
das in der Entfernung wie ein colossales Riesenhaupt aussieht, schneeweisses Haar
und silberfarbenen Bart. Es ist täuschend, dies Riesenhaupt, und wenn man es so
über den Berg herüberlugen sieht, so wendet man unwillkürlich seinen Blick, um
zu sehen, was es da unten Merkwürdiges gebe.
    Ah! es ist die große Stadt, die vor uns weit ausgestreckt im Tale liegt; in
allen Farben zeigen sich die Häuser, ein wahres Chaos von Grau, Grün, Rot,
Blau, Schwarz mit ebenso vielen Schattirungen und unbeschreiblichen Tönen.
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