 glänzend; Hunderttausende, vielleicht Millionen werden dadurch in
Bewegung gesetzt und gewonnen, und doch sagt jedermann Es ist ein Betrug und ein
Schwindel! Und doch muss man die Sache näher ansehen. Betrug und Schwindel nennt
man sonst, was gewinnen soll ohne Arbeit und Mühe, gegründet auf eine
Vorspiegelung oder Täuschung. Niemand wird aber sagen können, dass das
Revalentageschäft ohne Arbeit betrieben werde; es herrscht da gewiss eine so gute
Ordnung, Fleissigkeit, Betriebsamkeit, Um- und Übersicht wie in dem
notwendigsten, solidesten Handelszweige oder Staatsgeschäfte; es ist, gegründet
auf den Einfall des Spekulanten, eine umfassende Tätigkeit, eine wirkliche
Arbeit entstanden.
    Die Beschaffung des Mehles, die Anfertigung der Blechbüchsen, die Verpackung
und Versendung, der Vertrieb in den verschiedensten Ländern schafft vielen
Menschen Handarbeit und Gewinn. Die zahllosen marktschreierischen Ankündigungen,
mit einer durchdachten und mühevollen Umsicht betrieben, bringen Hunderten von
Zeitungen reichlichen Gewinn, und diese brauchen in gleichem Masse vermehrte
Arbeitskräfte; Setzer und Drucker finden viele Tage Nahrung in dem weitesten
Umkreise nur durch die Inserate der Revalentamänner, und diese selbst, das Ganze
beherrschend, nennen ihre Tätigkeit gewiss nicht minder Arbeit, wenn sie aus
ihrem Komptoir kommen, als ein Rotschild die seinige. Hier sind der spekulative
Einfall, oder was die Unternehmer wahrscheinlich die Idee nennen, und die Mühe,
die wirklichste Arbeit verbunden; es wird gewirkt und genützt im vollen Masse und
wohl niemandem was geschadet, und doch ist das Ganze ein skandalöser Schwindel
und sein Kern eine hohle Nuss, indem die Hauptsache, der vorgegebene Zweck;, die
Eigenschaft des Gegenstandes dieser ganzen Tätigkeit eine offenkundige Täuschung
ist und dessenungeachtet doch wieder der Chef dieser ungeheuren Blase der Zeit
in seiner Umgebung so geachtet und geschätzt wie jeder andere Geschäftsmann. Wo
liegt hier die Ehre und wo die Schande? Dies ist aber nur ein grobes Beispiel
aus dem gröbern Weltverkehr. Es wird Revalenta arabica gemacht in Kunst und
Wissenschaft, in Theologie und Politik, in Philosophie und bürgerlicher Ehre
aller Art, nur mit dem Unterschied, dass es nicht immer so unschädliches
Bohnenmehl ist, aber mit der gleichen rätselhaften Vermischung von Arbeit und
Täuschung, innerer Leerheit und äusserm Erfolg, Unsinn und weisem Betriebe, von
Zwecklosigkeit und stattlich ausgebreitetem Gelingen, bis der Herbstwind des
Todes alles hinwegfegt und auf dem öden Stoppelfelde nichts übriglässt als hier
ein seltsam zusammengewürfeltes Vermögen, dort ein Haus, dessen Erben nicht zu
sagen wissen, auf welchem Grund und mit welchem Recht es gegründet ist, und wenn
dies Erbe auch noch verweht ist, so ist weder eine geistige noch leibliche Spur,
noch ein Zusammenhang mehr zu finden zum Zeugnis, dass jene Betriebsamen einst
auch dagewesen seien und sich, obgleich fleißig, doch mit Recht und Ehre genährt
haben, während jeder wohlbestellte Acker
