 mit der größten Sorgfalt ähnlich
gemacht bis auf die Kleidungsstücke, und nicht zu seinem Nachteile, während den
zornigen und schmollenden Schönen durch allerlei Schabernack, entblößte Waden
oder triviale Faltenlagen in den Gewändern weniger ein Reiz als ein Anflug von
Lächerlichkeit und Erniedrigung gegeben war. Dies Buch konnte Heinrich nicht
ausstehen; sein Freund schien ihm darin sich selbst herabgewürdigt zu haben;
aber weit entfernt, mit ihm darüber zu disputieren oder den Sittenrichter zu
spielen, lächelte er vielmehr dazu. Anders als in den religiösen Fragen, wo er
die Existenz seines Bewusstseins auf dem Spiele glaubte, zwang er sich hier, die
Art und Weise anderer gelten zu lassen und sie sogar anzuerkennen. Es war ein
Zeichen seiner gänzlichen geistigen Unschuld; denn bei mehr Erfahrung hätte das
Verhältnis gerade umgekehrt sein müssen.
    Aber alles zusammengenommen bewirkte, dass Heinrich glaubte, sich seinen
eigenen Weg in jeder Hinsicht freihalten zu müssen, und für Ferdinands
künstlerisches Beispiel unzugänglich wurde, zumal in dessen fertiger und
bewusster Tüchtigkeit etwas von der Keckheit und Erfahrungsreife, von dem
Liebesglücke Ferdinands zu liegen schien.
    Sonst waren die drei, Lys, Erikson und Heinrich, die besten Freunde von der
Welt, und jeder gab seinen Charakter in der unbefangensten Weise dem andern zum
besten. Sie waren um so lieber und unzertrennlicher zusammen, als noch ein
besonderes gemeinsames Band sie vereinigte. Jeder von ihnen stammte aus einer
Heimat, wo germanisches Wesen noch in ausgeprägter und alter Feste lebte in
Sitte, Sprachgebrauch und persönlichem Unabhängigkeitssinne; alle drei waren von
dem Sonderleben ihrer tüchtigen Heimat abgefallen und zu dem großen Kern des
beweglichen deutschen Lebens gestoßen, und alle drei hatten dasselbe, erstaunt
und erschreckt über dessen Art, in der Nähe gesehen. Schon die Sprache, welche
der große Haufen in Deutschland führt, war ihnen unverständlich und beklemmend;
die tausend und aber tausend »Entschuldigen Sie gefälligst, Erlauben Sie
gütigst, Wenn ich bitten darf, Bitt' um Entschuldigung«, welche die Luft
durchschwirrten und bei den nichtssagendsten Anlässen unaufhörlich verwendet
wurden, hatten sie in ihrem Leben nie und in keiner anderen Sprache gehört,
selbst das »Pardon Monsieur« der höflichen Franzosen schien ihnen zehnmal kürzer
und stolzer, wie es auch nur in dem zehnten Falle gebraucht wird, wo der
Deutsche jedesmal um Verzeihung bittet. Aber durch den dünnen Flor dieser
Höflichkeit brachen nur zu oft die harten Ecken einer inneren Grobheit und
Taktlosigkeit, welche ebenfalls ihren eigentümlichen Ausdruck hatten. Sie
erinnerten sich, niemals, weder in ihrer Heimat noch in fremden Sprachen, die in
Deutschland so geläufigen Gesellschaftsformeln gehört zu haben »Das verstehen
Sie nicht, mein Herr! Wie können Sie behaupten, da Sie nicht einmal zu wissen
scheinen! Das ist nicht wahr!« oder so häufige leise Andeutungen im
freundschaftlichen Gespräche,
