 schwierig erschien, das warf ich, mich selbst betrügend,
durcheinander und verhüllte es mit meiner unseligen Pinselgewandteit, da ich,
anstatt bescheiden mit dem Stifte anzufangen, so gleich mit den angewöhnten
Tuschschalen, Wasserglas und Pinsel hinausging und bestrebt war, gleich ganze
Blätter in allen vier Ecken bildartig anzufüllen. Die Bäume waren noch
unbelaubt, und ich hätte daher Gelegenheit gefunden, einstweilen den Bau ihrer
Stämme, Äste und Zweige, die Verschiedenheit und Anmut im Verlaufe derselben zu
beobachten und mir einzuprägen; statt dessen aber zog ich es vor, solche
Gegenstände zu wählen, welche jetzt schon ein Ganzes vorstellten, und geriet
deshalb an die schwierigsten und für jetzt zwecklosesten Dinge. Ich ergriff
entweder ganze Aussichten mit See und Gebirgen oder ging im Walde den Bergbächen
Dach, wo ich eine Menge kleiner und hübscher Wasserfälle fand, welche sich
ansehnlich zwischen vier Striche einrahmen ließ. Das lebendige, geistige und
zarte Spiel des Wassers im Fallen, Schäumen und eiligen Weiterfliessen, seine
Durchsichtigkeit und tausendfältige Widerspiegelung ergötzte mich, aber ich
bannte es in die plumpen und renommistischen Formeln meiner lächerlichen
Virtuosität, dass Leben und Glanz verlorengingen, indessen nicht meine Mittel, ja
nicht einmal die Materialien hinreichten, das bewegliche Wesen wiederzugeben.
Leichter hätte ich die mannigfaltigen und schönen Steine und Felstrümmer der
Bäche, in reicher Unordnung übereinandergeworfen, beherrschen können, wenn nicht
mein künstlerisches Gewissen verdunkelt gewesen wäre. Wohl regte sich dieses oft
mahnend, wenn ich perspektivische Feinheiten und Verkürzungen der Steine,
trotzdem dass ich sie sah und fühlte, überging und verhudelte, statt den
bedeutenden Linien nachzugehen, mit der Selbstentschuldigung, dass es auf diese
oder jene Fläche nicht ankomme und die zufällige Natur ja wohl auch so aussehen
könnte, wie ich sie nachbildete; allein die ganze Weise meines Arbeitens ließ
solche Gewissensbisse nicht zur Geltung kommen, und der Meister, wenn ich ihm
meine Machwerke vorzeigte, war nicht darauf eingerichtet, der fehlenden
Naturwahrheit nachzuspüren, die sich gerade in den vernachlässigten Zügen hätte
zeigen sollen, sondern er beurteilte die Sachen immer von seiner Stubenkunst
aus.
    Abgesehen von seinem Grundsatze der Reinlichkeit und Durchsichtigkeit des
Vortrages hegte er, in Beziehung auf innern Gehalt, nur noch eine einzige
Tradition, welche er in seinem Geschäfte zwar nicht selbst anwandte, als zu
luxuriös und unpraktisch, die er aber mir zu überliefern für angemessen hielt,
nämlich die des Sonderbaren und Krankhaften, was mit dem Poetischen oder
Malerischen und Genialen verwechselt wurde. Er wies mich an, hohle, zerrissene
Weidenstrünke, verwitterte Bäume und abenteuerliche Felsgespenster aufzusuchen
mit den bunten Farben der Fäulnis und des Zerfalles, und pries mir solche Dinge
als interessante Gegenstände an. Dies sagte mir sehr zu, indem es meine
Phantasie reizte, und ich begab mich eifrig auf die Jagd nach solchen
Erscheinungen.
