 Dichterlings von niederer Herkunft, eines
Roués, der seine Zeit im Umgang mit leeren Menschen, mit Spiel und
Polissonnerien vergeudet, ist die Leitung der diplomatischen Verhältnisse, und
in einer Periode, die in der neueren Staatengeschichte nicht ihres Gleichen
findet. »Auch das?« - »Ist's nicht wahr?« - »Aber wozu der Vorwurf niederer
Herkunft?« - »Das verstehen Sie nicht.« Der Minister war aufgesprungen. »Brüstet
er sich nicht selbst bei jeder Gelegenheit, dass er der Sohn eines
Perrückenmachers ist! Ein Skandal! eine Verworfenheit ohne Gleichen. - Ja, wenn
sie den Adel nicht systematisch zu Lakaien depravirt hätten, es stände anders. -
Ihnen geschieht recht. - Lass sie an der Frucht ihrer Schuld nagen.«
    »Das folgende, persönlich gegen den Minister Gerichtete ist schon so oft
gesagt -« »Kann aber nicht oft genug wiederholt werden.« Walter las mit Zaudern:
Sein Leben eine ununterbrochene Folge von Verschrobenheiten oder Äußerungen von
Verderbteiten. Sein Urteil seicht und unkräftig, sein Betragen süsslich und
geschmeidig. - Als Gelehrter Phantast - dann Mystiker aus Liederlichkeit -
Geisterseher aus Mode - Herrenhuter aus Bequemlichkeit - verschwendet die dem
Staate gehörige Zeit am Lhombretisch. Abgestumpfter Wollüstling, gebrandmarkt im
Publikum mit dem Namen eines listigen Verräters seiner täglichen Gesellschafter
und eines Mannes ohne Wahrheit und Wahrhaftigkeit.
    Walter hielt inne und blickte auf den Minister.
    »War's eine zu schwere Aufgabe für Ihre Feder?« - »Ich frage mich nur, ob
dieser persönliche Angriff notwendig ist?« - »Man muss Personen ändern, wenn man
Maßregeln will, habe ich Ihnen diktirt. Man muss die Personen niederschlagen, dass
sie das Aufstehen vergessen, wenn sie zur Vordertreppe hinabgeworfen, auf der
Hintertreppe immer wiederkommen. Man muss sie zertreten, töten, vernichten, wenn
mit ihnen die Maßregeln unmöglich sind. Schonung aus Mitleid wird Verbrechen.«
    »Wenn wir auf den Erfolg rechnen können! Seine Majestät erwiderten auf das
erste Memorial, worin Excellenz auf Änderung des Kabinets drangen: Sie
wünschten nur, dass man Ihnen Beweise der Verräterei dieser Leute gäbe, so
würden Sie keinen Anstand nehmen sie zu entfernen. Die Beweise - sagt wenigstens
das Publikum - liegen seitdem zu Tage - und -«
    »Es bleibt Alles, wie es gewesen. - Und das, Herr, soll uns bestimmen, nicht
unsere Pflicht zu tun? Nicht zu rütteln an den faulen Ästen, so lange wir Mark
in den Gliedern haben, nicht zu schreien, rufen, warnen, so lange wir Atem
haben und man uns nicht den Mund verbindet. Wie?«
    »Ich schweige in Ehrerbietung vor Eurer Excellenz gerechter Entrüstung.« -
»Nein, Sie sollen sprechen,
