 Lage ist traurig, aber nur wer sich selbst aufgibt, ist
verloren. Die Weine unter dem Steuerverschluss, gleichviel ob hier oder in
Stettin, sind ein todtes Kapital, welches das größte Haus ruiniren könnte. Wäre
Ihr Medoc nicht ein Kapital, das zwei-, dreihundert Prozent eintrüge, wenn Sie
es an einer Nordküste lagern hätten, wo Napoleons Kontinentalsperre schon Kraft
hat? Wird die Schifffahrt geschlossen, sind Sie wieder ein Krösus.«
    »Alle Zeichen deuten, dass wir Krieg anfangen.«
    »Alle Zeichen sind trügerisch, wo kein Wille ist. Noch schwankt die Wage.
Die Kabinetsräte sehen es ein, der König möchte den Frieden erhalten, und wenn
sie doch das Wort Krieg aussprechen, ist's weil sie gezwungen werden, weil sie
keine Unterstützung gegen die jungen Schreier und Fanatiker finden. Mein Herr
van Asten, warum treten denn nicht die Patrioten zusammen, ich meine die, welche
Mittel haben, warum unterstützen sie nicht des Kabinet? Das ist noch möglich.
Fragen Sie sich doch, was es gilt? Bleibt Friede, bleibt er nur durch eine
Allianz mit Napoleon, es gibt nichts Drittes. Krieg mit ihm oder Anschluss. Im
letzten Falle Beitritt zu seinem Kontinentalsystem, die Häfen sind gesperrt, und
Ihr Bordeauxwein, ohne Konkurrenz, ist wenigstens dreihunderttausend Taler
wert. Nun rechnen Sie, wenn Krieg wird, wenn es nur bleibt, wie es ist! Ihr
Wein ein todtes Kapital, Ihre Gläubiger lebendige Quälgeister, Ihr Haus
erschüttert, vielleicht - Man schätzt Sie auf über zweihunderttausend, wenn
indes Ihre Aktiva nichts werden, Ihre Passiva - ich schweige davon. Aber in
solchem äußersten Fall muss der Mann das Äußerste wagen. Und sind Sie allein in
dem Falle? Verabreden Sie sich, schießen Sie zusammen. Lucchesini, Haugwitz,
Lombard, sie Alle sind ja zugänglich, die freundlichsten Männer. Sie erwarten ja
nur, dass man sie unterstützt, gewichtige Stimmen aus dem Publikum. Schaffen Sie,
womit man Ihnen hilft, um den Schreiern den Mund zu stopfen. - Mit
hunderttausend Talern übernehme ich's.«
    Der Kaufmann verstand jetzt, aber er war sichtlich von einer Vorstellung
betroffen, die ihn schwindlig machte. Das Argument des Legationsrats hatte
etwas Verführerisches, die Verhältnisse waren, wie er sie schilderte, aber er
erschrak zuerst vor dem Gedanken, dass ein einfacher Bürger sich unterfangen
dürfe, in das Schicksal eines Staates einzugreifen, dann, dass er dies sein
könne; zuletzt, wenn er die angenehme Maske von der Sache fortzog, erschrak er,
denn was war die patriotische Operation -? Van Asten war ein rechtlicher Mann.
    »Mein teuerster Herr!« sprach der Legationsrat wieder mit der gewohnten
Überlegenheit des vornehmen Mannes, und auch
