 er sie nur für eine Erholung seines Geistes erklärt und neben
der Malerei ein Dutzend andre Künste und Fertigkeiten treibt. Schon dass er so
recht den alten Italienern gleicht und wie Michel Angelo, Leonardo da Vinci,
Benvenuto Cellini neben seiner Kunst auch in praktischen Dingen, sogar im
Maschinenbau, in der Baukunst, im Kriegswesen nachdenklich und erfinderisch ist,
Das allein schon könnte mich versöhnen, wenn er mich wirklich verspottet hätte!
    Lammsmässige Geduld! rief Dankmar ärgerlich. Und wenn er etwas erfindet, was
noch über die Zündnadelgewehre hinausschiesst, so wollt' ich ihm nicht raten,
dass er dich verspottet hat.
    Er überraschte uns, erzählte nun Siegbert ruhig, nach vielem Hin- und
Hertasten einmal durch ein Bild von großer Vollendung: Ein Künstleratelier.
Professor Berg ist unverkennbar als Tizian wiedergegeben. Er unterrichtet in
einer schönen Nebenhalle seines Ateliers ein reizendes Mädchen, das von den
entfernt sitzenden Schülern, vielleicht ohne es zu wissen als Modell benutzt
wird. Der Eine malt sie als eine Amazone, der Andere als eine Melusine mit einem
Fischleibe, der Dritte als eine Sphinx, nur ich soll Derjenige sein, der in ihr
eine Madonna findet und freilich muss ich gestehen, dass ich mich mit meinem
frommen Glauben und dem sichern Aufschlag der Augen gen Himmel auf dem Bilde
fast ein wenig albern ausnehme.
    Und Das beruht auf Wahrheit? fragte Dankmar erstaunt und gespannt.
    Gerade deshalb, sagte Siegbert errötend, nehm' ich es auch leichter. Ist
schon die Idee an sich gefällig und höchst launig ausgeführt, zumal da auch die
Schülerin zu merken scheint, dass sich das ganze Atelier sie zum Modell genommen
hat, während ihr der Professor recht beflissen eben den Pinsel aus der Hand
nimmt, um ihre eigne Leistung, die man nicht sieht, zu verbessern, so seh' ich
nicht ein, was ich meine Neigung verbergen und mich schämen soll, eine Madonna
in dem Wesen zu finden, das Andern nur als wilde Amazone, kalter Fisch oder
gefährliche Halblöwin erscheint. Es gibt kaum eine sinnigere Apoteose der Liebe
und so groß meine Ähnlichkeit mit dem verzückten Maler ist, ich habe sie
Leidenfrost nicht nachgetragen.
    Der Liebe? wiederholte Dankmar immer erstaunter. Aber was hör' ich denn?
Seitdem ich in Angerode war, sind ja mit dir Wunderdinge vorgefallen. Verliebt?
Wirklich, was man so nennt verliebt?
    Fast möcht' ich über mich selbst erstaunen, sagte Siegbert, der eigentlich
aufatmete, dass von ihm in Hohenberg bei Melanie nicht die Rede gewesen schien
und doch daraus ein schlimmes Zeichen für sich hätte entnehmen müssen. Ich habe
mich lange geprüft, wie wohl meine Empfindung für jenes Mädchen beschaffen sein
möge. Aber seitdem ich sehe, dass ich ihretwegen leiden kann und mich ordentlich
freue,
