 Sie erklärte, dass im Augenblick
der Gefahr sich im Grunde Niemand bewährt hätte, und als der König erwiderte:
Aber General Voland würde es, wenn er nicht gerade auf Reisen gewesen wäre!
widersprach sie zwar nicht, bemerkte aber, der Staat käme ihr vor wie ein
schwankendes Schiff, Alles renne auf ihm hin und her, Jeder wolle helfen und
grade von dem Rennen, grade von dem Helfenwollen verlöre das Fahrzeug das
Gleichgewicht und schlüge über; es solle daher nur Jeder ruhig auf seinem Platze
sitzen bleiben, dann würden Alle gerettet werden. So konnte sie auch an Fürst
Egon zwei Dinge durchaus nicht ertragen. Einmal: seine mangelnde »Sittlichkeit«
und zweitens die geringe patriotische Schwärmerei. Grade das Tiefsittliche in
Egon, grade das gegen den Hang der Natur in ihm fortwährend Rebellirende
verstand sie nicht. Sie wollte die Demonstration der allgemein herrschenden
Sittlichkeits-Grundsätze. Sie wollte Kirchenbesuch, Adelsgefühl, die Teilnahme
an dem Esprit de corps jenes moralischprüden Wesens, wie man es einmal
eingeführt und festgehalten wünschte. Egon passte in diese Kategorieen nicht. Er
besuchte die Kirche nicht, er tat nichts für die innere Mission, er heiratete
ein schönes, den verschiedenartigsten Urteilen ausgesetztes Mädchen. Er führte
diese Frau zwar nirgends ein, mutete Niemanden zu, ihr zu huldigen, ließ sie
nur da gelten, wo man sich ihr zu nähern sich selbst gedrungen fühlte; aber auch
in diesem Stolz lag etwas Verletzendes für die hochgestellten Menschen, die
unbedingt einmal nicht wollen, dass sie in irgend einem Vorfall der Welt
umgangen, in irgend Etwas unberücksichtigt, vermieden bleiben. Dieser Stolz des
Fürsten wurde vollends beleidigend für die Sphäre des Hofes, wenn Egon von
Hohenberg gar so tat, als wäre der Staat ein Erstes und die Monarchie doch erst
ein Zweites und nun gar dies Königshaus wohl selbst erst ein Drittes. Die
reaktionäre Wildheit und Blindheit hatte grade umgekehrt nicht nur die
Monarchie, sondern grade diese Monarchie, dies Herrscherhaus grade mit seinen
Erinnerungen, seinem historischen Gepränge, seinen Wappen und seinen
Bannerfarben für das Erste im Staate und den Staat selbst erst als das Zweite
erklärt und in einer solchen Ideenwelt stand Egon trotz seiner
Demokratenverfolgung, trotz seiner rücksichtslosen Bekämpfung der ihm anarchisch
scheinenden Gesellschaftselemente, gradezu wie ein Fremdling da. Und sonderbar,
Pauline von Harder hatte Recht, als sie ihm einmal, da er bei irgend einem Anlass
von seinem wahren Vater Heinrich Rodewald gesprochen hatte, erwiderte: Im
Gegenteil, Egon! Sie besitzen ja einen Adelstolz, wie ich ihn bei keinem
Marschalk, keinem Harder angetroffen habe! Sie sind ja das ganze Bild jenes
unabhängigen Adelsgeistes, den die Fürsten im Grunde so sehr fürchten, wenn er
nicht zu Hofe hält und von der Sonne ihrer Huld sich bescheinen lässt! Wissen Sie
