 zuerst
von den Gutsbesitzern, Landräten, den Pensionairs angeschlagen wurde. Auch ich
zog mich zurück und folgte dem Beispiele fast jedes höheren Militairs und trat
in den Reubund. Meine Herren, der Mensch muss sich immer am Gegenteil seines
Wesens prüfen; noch klarer aber wird er sich, wenn er die scheinbar
gleichartigen Elemente, die sich an seine Natur ansetzen wollen, nicht ertragen
kann. Ich entdeckte jetzt erst in den Beratungen des Reubundes meinen
Unterschied von den gewöhnlichen Persönlichkeiten. Ich sah überall Egoismus und
Furcht. Ich sah Menschen, die sich mit Leidenschaft auf die Principien der
Stabilität warfen, nur um sich und den Ihrigen ihre zeitlichen Vorteile zu
erhalten. Die einzigen Doktrinaire darunter waren Adelige, die aber zuletzt auch
für die Besteuerung ihres Grundbesitzes fürchteten. Besonders verletzten mich
die ausrangirten alten Offiziere, die in der Angst, ein Pensionsgesetz könnte
ihnen die Belohnung für Das, was sie mit Gott für König und Vaterland getan zu
haben glaubten, verkürzen, sich zu den seltsamsten Demonstrationen hergaben. Ich
widersprach. Erst ausführlicher, dann immer kürzer und kürzer, zuletzt in
Epigrammen. Ich schied aus. Wenn ich nun dem Beispiele aller meiner
Waffengefährten folgen wollte, so musste ich die ganze Gährung der in mir
aufgeregten Begriffe gewaltsam niederschlagen und mich mit einem blinden
Demokratenhass darauf beschränken, nichts sehnlicher, als einmal ein allgemeines
Blutbad abzuwarten, wo die Spitzkugeln und Bayonette Alles durchbohren und
aufspiessen sollten, was nur irgendwie in einer Beziehung zu dem negativen
Principe unserer Zeit steht. Ich gehöre zu diesen Bauchschlitzern nicht. Ich
habe meine eigne Idee über den Adel sogar. Ich glaube, dass der Adel nur darum
vorhanden ist, dass er erblich, traditionell jene Vorzüglichkeit des Berufes für
das allgemeine Wohl empfängt, die bei Dem, für dessen Erziehung Eltern nichts
tun können, eine aus ihm selbst geborene zufällige, oft auch ausbleibende
Vocation ist. Ich erkenne in meinem ziemlich alten Adel die Mission nicht eines
Genusses, sondern einer Aufgabe. Ist dies schon Torheit in den Augen meiner
aristokratischen Waffengefährten, so wächst sie zum Verbrechen, da ich mir eine
Vermittlung mit den Ideen des Jahrhunderts möglich denke. Ich leugne nicht, der
Krieger ist in einer verzweifelten Lage. Man hat uns einen Eid abgenommen, der
nach jesuitischer Moral wohl gelöst werden könnte, ja es ist immerhin möglich,
dass ein Einzelner sich durch eine tiefere moralische Betrachtung von den Banden
einer mathematischen Eidesformel loszulösen vermag; allein es ist mit solchen
Verpflichtungen, wie mit jenen Verpflichtungen der Ehre, die zum Duell führen.
Man verwirft das Duell und kann sich ihm doch nicht entziehen. Der Fahneneid ist
einmal geschworen, geschworen unter andern Verhältnissen, wie sie jetzt
stattfinden. Ich würde ihn so, wie ich ihn geschworen, nicht wiederholen. Aber
er
