 »Dann haben wir
gefülltes Geflügel und Wildpasteten; darüber kann kein Zweifel sein; beides zwei
auserlesene Sachen. Aber schließlich wieder: Bekränzt mit Laub - was ist das?«
Ich schnitt ein Gesicht wie ein totes Kamel. »Bekränzt mit Laub ist ein wahres
Nationalfressen. Die Studenten lieben es vor allen Dingen; bei jedem Kommers
wird es aufgetischt und mit Bier angefeuchtet hinuntergeschluckt; außerdem
findet man es im Munde aller fröhlichen Zecher; Harfenmädchen goutieren es
ebenfalls. Wenn ich mich nicht sehr irre, so erfand es der alte Asmus, als er
eines Abends mit der Frau vor der Haustüre saß und die Sterne beschaute. Es
scheint, der Zentral-Dombau-Verein hat dieses Gericht direkt durch den
Wandsbeker Boten kommen lassen.« - »Das ist sehr artig!« meinte der
Österreicher. Da überließ ich ihn den süßen Speisen, dem Nachtisch, der
Weinkarte und für die Zukunft der Paulskirche.
    Von meinem Nachbar zur Rechten wandte ich mich zu meinem Tischgenossen
vis-à-vis, der sich durch seinen rein uckermärkischen Akzent bereits als ein
Stockpreusse und durch verschiedene erhabene Festbemerkungen als ein Mann von
ungewöhnlicher Bildung beurkundet hatte. Er war wiederum ein
Nationalversammelter. Ich machte sofort die Honneurs und bot ihm das Salz meines
Geistes und den Senf meiner Konversation. Er behauptete aber, Rheinsalm schmecke
besser mit Öl und Essig. »Sie essen selten einen Salm in Berlin?« fragte ich
ihn. »Selten!« erwiderte er lakonisch, »aber wir essen viel Teltower Rüben -« Es
wurde mir traurig zumute. Ich sah schon bei den ersten Versuchen, dass ich die
unsterbliche Seele meines Preußen nicht ohne entsetzliche Anstrengung über den
Horizont eines Rübenfeldes zu erheben vermochte. Ich griff daher zu einem
Mittel, welches die Zeitverhältnisse zu dem stimulierendsten der Gegenwart
machen. »Der Erzherzog Reichsverweser ist wirklich bei weitem freudiger
empfangen worden als der König«, rief ich nämlich dem Österreicher zu und sagte
es so laut, dass es ringsum verstanden wurde.
    Dies wirkte. Der Preuße ließ Gabel und Messer sinken, und »Sie irren sich!«
rief er mit dem Ausdruck der tiefsten Entrüstung. - Mein Plan war gelungen. Ich
hatte den Schwarz-weißen und den Schwarz-rot-goldenen aneinandergehetzt.
    Vergebens strengte sich jetzt der letztere an, unserm Teltower noch einmal
alle Hochs und alle Hurras auf den alten Erzherzog ins Gedächtnis zurückzurufen:
der Schwarz-weiße wusste seine Stimme sofort zu einem solchen durchdringenden
Diskant emporzuschrauben, dass er schnell den Österreicher übertönte und die
Unterredung im Nu beherrschte.
    »Sie irren sich!« begann er von neuem. »Als der König von Deutz nach Köln
hinüberfuhr, krachten da nicht die Kanonen, als ob die ganze Stadt bis in ihre
Grundfesten
