 mit schwerem Seufzen
schließen diese Drucken sich wieder, denn groß war die Wonne, solang die Quellen
rannen, es war wie ein Säuseln aus der Ewigkeit, in welchem die rinnende Zeit,
die ganze Gegenwart vergessen wird, und je schauerlicher der Inhalt der Drucken
ist, desto größer die Wonne, desto mächtiger, er, greifender das Säuseln aus
einer andern Welt.
    Es war aber sonderbar, bei Vreneli wollte die Drucke mit den lustigen
Geschichten nicht aufspringen, obgleich es auch eine hatte und zwar eine große
und wohlgefüllte. Wenn den Andern die Lachtränen die Augen füllten, waren die
seinigen auch voll, aber eine unerklärliche Wehmut hatte sie heraufgetrieben,
und wenn die Base bat, man möchte um Gottes willen schweigen, das Lachen
versprenge sie sonst, hätte es auch so bitten mögen, aber aus dem
entgegengesetzten Grunde. Die Wehmut stieg ihm auf, es wusste nicht woher, warum.
Als sie da war, machte es entsprechende Gedanken hinein, wie ein Lehrer
Buchstaben oder Zahlen auf eine schwarze Tafel oder eine Dame Menschen, Vieh und
sonst allerlei auf sogenanntes Beuteltuch, ein gelöchert Zeug, welches vornehme
und andere Damen mit schönen Dingen flicken. Nicht unkommod wäre es für manchen
Mann, wenn seine gelöcherten Strümpfe zuweilen geflickt würden und nicht einmal
mit schönen Dingen, sondern mit simplem Baumwollengarn oder ebenso simplem
flächsernem Faden. So machte Vreneli sich auch Gedanken und dachte: Es sei doch
eigentlich nicht recht, an einem Taufrage so liederlich und lustig zu sein, das
sei keine Weise für ein christlich Kind zu einem christlichen Leben. Wenn das
lustige Leben dem Kinde nur nicht angetan werde, dass es auch meine, es müsse
sein Lebtag so zugehen in Saus und Braus, in Lust und Lachen. Vreneli war
himmelweit von einer Kopfhängerin, aber Vreneli war ein Weib, welches was auf
Ahnungen hielt und meinte, man könnte sich versündigen, dieses oder jenes könnte
einem nachgehen und die Sünden der Eltern kämen bis in das zweite und dritte
Geschlecht. Es war weit entfernt zu glauben, man sollte an einem Tauftage nicht
fröhlich sein, nicht was Gutes essen und trinken, aber doch alles so in einer
ehrbaren Gsatzlichkeit, so dass man der ganzen Gesellschaft es ansehe, dass sie
Christen seien und zur Ehre Gottes gleichsam essen und trinken täten und nicht
so wie eine liederliche Wirtshausgesellschaft, welche keinen andern Zweck hat,
als sich lustig zu machen. Es wusste der Sache eigentlich keinen rechten Namen zu
geben, und es wäre in große Verlegenheit gekommen, wenn es hätte beschreiben
sollen, was ihm nicht recht sei und wie es es eigentlich haben möchte.
    Nur eines wars, was es bestimmt nennen konnte und um welches endlich alle
seine Wehmut zusammenlief und sein Glaube, dass man sich versündige und
