 geben konnte.
    Gilbert wusste von der Verbindung des Fürsten mit Alicen Nichts; es konnte
ihm daher auch nicht einfallen, mit jener Andeutung auf die Eifersucht desselben
spekuliren zu wollen. Es war ein glücklicher Wurf, den er von Ungefähr tat und
er gelang über Erwarten. Als er des Fürsten Bewegung bei diesen Worten sah,
erzählte er ihm zum Beweise, wie Alice durch Ralphs Schwester die frühere
Verbindung mit diesem wieder angeknüpft hatte, schilderte den Zorn Alicens über
seine Gefangenschaft und den Versuch derselben, ihn im Gefängnis zu besuchen.
Das Letztere hatte er kürzlich durch Lucie erfahren.
    - In diesem Augenblicke, schloss er seine Rede, befindet sie sich noch bei
ihm. Hatte ich also nicht Ursache, aufmerksam zu sein? Ich weiß, Durchlaucht,
dass es Viele gibt, welche mich bei Ihnen zu verläumden versuchen werden.
    - Fürchten Sie nichts, Gilbert. Ich sehe klarer, als Sie glauben. - Das also
war das wichtige Geschäft, was nicht aufzuschieben war. Er musste Gewissheit über
alles dies haben, nicht nur über die Stellung Alicens zu ihm, sondern auch über
sein Verhältnis zur ganzen Partei, der er bisher - allerdings aus
Privatrücksichten gedient hatte.
    Er war - wie alle Phantasiemenschen - von Natur Oppositionsmann, weil die
Opposition die Politik der Möglichkeiten, die Diplomatie der Zukunft ist. Aber
wenn diese Zukunft nicht seine Zukunft war, wenn er nicht im Stande war, diese
Möglichkeit zu seiner Wirklichkeit zu machen, so hörte seine Opposition auf,
denn er gönnte Niemandem die Früchte dieser Opposition als sich selbst. Er war
ein Feind der Legitimität, weil diese Legitimität seinem Ehrgeiz Schranken
setzte, aber er wurde zum wärmsten Freunde derselben, wenn auf ihren Trümmern
nicht er und seine Diktatur, sondern die wahre Feindin der Legitimität, die
Diktatur des Volks sich erheben sollte. Seine politische Gesinnung war eine rein
persönliche. Noch glaubte er, dass es Zeit sei, sich zu entscheiden, da er noch
in keiner Weise compromittirt war, weder nach der einen, noch nach der andern
Seite hin. Die Entscheidung aber hing von der Überzeugung ab, die er über
Alicens Pläne sich verschaffen musste.
    Er begab sich deshalb direkt nach Alicens Wohnung. Es war indes Abend
geworden. Wie in den letzten Tagen, so zogen auch heute zahlreiche
Arbeiterschaaren die Straßen hinab, welche teilweise mit Militär gesperrt
waren. Alles drängte nach dem Schlossplatz zu. Der Fürst, welcher das Schicksal
der meisten Spaziergänger geteilt hatte, nämlich mit fortgerissen zu werden,
gewann endlich am Schloss Gelegenheit, sich aus dem Strudel des Volks
herauszuarbeiten und in das »Volpische Kaffeehaus« zu flüchten. Von hier aus
konnte er den Schauplatz übersehen. Die Menge hatte sich um den großen
Kandelaber in der Mitte des Platzes
