, seine Stimme erhebend,
fort. - Denn er hatte in einer Fensternische des halb dunklen Nebenzimmers zwei
Gestalten bemerkt, deren eine er als Kornelia erkannte, während die andere große
Ähnlichkeit mit Berger zu haben schien. »Alle Gegensätze sind reiner und
tadelloser, als die sogenannten Mittelstrassen, mit denen sich nur die Dummen
oder die Heuchler begnügen können. So ist's beim Mann, so beim Weibe. Sich von
solcher Halbheit zu emanzipiren, gleichviel in welches Extrem man dabei geht,
darin besteht die wahre Emanzipation. Vergleichen wir zum Beispiel einen
durchaus ehrenfesten Mann, der in seiner Ehrenhaftigkeit ehrlich und vor allen
Dingen konsequent ist, mit seinem Gegensatz, einem Menschen, der die Ehre für
ein bloßes Vorurteil hält und nun aus Prinzip in seiner Unehrenhaftigkeit eben
so ehrlich und konsequent ist, wie Jener in seiner Ehrenhaftigkeit, so sagt mir
das Letztere doch nimmer noch mehr zu, als ein Mensch, der zur konsequenten
Ehrlichkeit sowohl, so wie zur konsequenten Unehrlichkeit zu feig ist. Nichts
ist erbärmlicher, als ein Mann, der von Gewissensbissen geplagt wird. Was sagen
Sie dazu, Kornelia?« - Die Letztere war eben, durch den lauten Ton Landsfelds
aufmerksam gemacht, aus der Fensternische, in der sie mit Berger gestanden,
hervorgetreten.
    »Sie wissen, teurer Freund, dass wir in allen Dingen sympatisieren.« - Sie
lachte. Landsfeld ebenfalls und fuhr fort:
    »In der weiblichen Natur findet dasselbe Verhältnis statt.«
    »Wollen Sie dies Verhältnis nicht durchführen?« - bemerkte die Sängerin
G----z, eine feine Kokette, welche sehr glänzendes schwarzes Haar, sehr
glänzende Augen, sehr schwellende Lippen und einen sehr schönen Wuchs hatte.
    »Von Herzen gern. Nur müssen Sie mir eine böse Angewohnheit zu gute halten,
die nämlich, dass ich zuweilen stark individualisire.«
    »So wird Ihre Vergleichung desto pikanter werden« - erwiderte sie mutig.
    Landsfeld lächelte. »Es gibt manche Frauen, bei deren erstem Anblick man
bewundernd ausruft: Es gibt nichts Schöneres, nichts Verführerisches. Aber eine
Schönheit, die verführt, ist keine reine, ist eine Unnatur. Es liegt allerdings
etwas Dämonisches, darum Unwiderstehliches in diesem prunklosen Glanz, in dieser
flammenden, eleganten Einfachheit, in dieser frivolen Bescheidenheit und
raffinirten Unschuld. Eine simple jugendliche Landdirne, deren Herz jungfräulich
ist, und deren Gedanken keusch sind - und eine Priesterin der modernen Mylitta
mit unverhülltem Busen und kurzem Rock -. Das sind Extreme, es ist wahr; aber
jede zeigt wenigstens, was sie ist, sie verheimlichen nichts, die Eine, weil sie
nichts zu verheimlichen hat, die Andere, weil sie nichts verheimlichen will.
Denn auch das Verbrechen hat seinen Stolz. Es ist
