 es doch von da an
eine beglaubigte Wahrheit: der Kommunismus spukt in Deutschland und greift schon
zu praktischen Mitteln - und dadurch ist für uns schon Viel erreicht: wir können
von da an den Kommunismus als Popanz brauchen! - Als Popanz zuerst für die
Regierenden, damit sie hinter freien Regungen überhaupt gleich Kommunismus
vermuten - und deshalb sich um so weniger zu Zugeständnissen verleiten lassen;
- für die Besitzenden, damit sie gegen die armen und arbeitenden Klassen desto
härter verfahren und durch Druck und Härte sie um so eher dem Kommunismus in die
Arme führen, damit die Schwergedrückten endlich gar dem blinden Glauben der
Verzweifelten sich hingeben: es gebe für sie kein anders Heil und keine
Bestimmung, als Blut und Leben einzusetzen für die Verwirklichung des
Kommunismus; - endlich auch als Schreckbild für die Liberalen, damit sie, weil
sie nun nach zwei Seiten hin zu kämpfen haben, um so leichter ermüden, und damit
sie, um nicht auch als Kommunisten verschrieen zu werden, vorsichtiger und
zurückhaltender werden in Tadeln und Fordern.
    Damit ist schon Viel gewonnen.
    Zugleich sind auch in den Verdächtigungsnetzen des Polizeirat Schuhmacher,
zwei Liberale mit gefangen worden: Graf Jaromir von Szariny und Gustav Talheim,
zwei Schriftsteller für uns von der gefährlichsten Sorte. Man wird sie der
Regierung als Teilnehmer an communistischen Komploten bezeichnen, da sie mit
den aufsässigen Fabrikarbeitern in Berührung gekommen sind - man wird sich
entweder ihrer bemächtigen, oder doch wenigstens ihre Schriften verbieten -
obgleich diese radical und Nichts weniger als communistisch sind - oder sie des
Landes verweisen, ihnen ihre literarische Tätigkeit erschweren, und so werden
wir mit guter Manier zwei unsrer gefährlichsten Gegner los - indem sie entweder
ganz unschädlich gemacht oder vielleicht aus Rache und Erbitterung das werden,
für was man sie bisher nur hielt und als was sie nun einmal verdammt und
gebrandmarkt sind: Kommunisten. So ist es zugleich mit gelungen, der schlechten
Presse die Schuld an den Arbeiteraufständen mit zuzuschreiben - auch davon
werden die guten Folgen nicht ausbleiben.
    So müssen uns alle Dinge zum Besten dienen.
    Das ist immer unsere Ordensregel gewesen.
    Und so habe ich denn in der Kürze versucht, mein frommer Bruder, Dir
anzudeuten, welche schwierige Stellung wir hier haben - wie wir aber trotzdem
nicht verzagen, sondern bereits auf eine neue Aera uns vorbereiten - damit auf
alle Fälle unser heiliger Orden selbst dann nicht untergeht, wenn man alle
bestehende Ordnung der Dinge umkehrt.
    Gesegnet sei der heilige Loyola, der die Seinen schützt!
    Grüße alle unsere Brüder.
                                                                   Pater Xaver.«
 
                              VI. Auf dem Schloss
 »Der Bund, der sich auf Treue gründet,
 Hat Schild und Schwert zu Schutz und Wehr;
 Die Flamme, die im Herzen zündet,
 Durchstrahlt die Nacht als Feuermeer.«
                                                                     K. Haltaus.
