 von hier und dort, aber ohne jene Räuber wäre alles unbedingt der
schlaffsten, charakterlosen Willkür preisgegeben.«
    »Schlimm, wenn es ganz so steht«, sagte Bracciano.
    »Es ist etwas Wahres in dieser ziemlich poetischen Schilderung«, bemerkte
Farnese; »wenn das Zeitalter einmal eine bestimmte Richtung angenommen hat, sei
es, welche es wolle, so kann der einzelne, der mit im Strome schwimmt, sich dem
allgemeinen Zuge und Falle der Wogen unmöglich entziehn, oder ihm gar widerstehn
wollen: der Kluge wird im Gegenteil alle die Vorteile ergreifen und für sich
benutzen, die sich rechts und links neben ihm zeigen. Auch ändert sich jedes
Verhältnis, jeder Zustand wieder nach und nach, denn die Zeit ist die
gewaltigste Kraft; wie sie allein den Gram über Unglück und Verlust von Freunden
lindern kann, so dämpft sie auch Enthusiasmus und Leidenschaft, und dieselbe
Empörung, die alles vernichten wollte, kehrt, wenn die Gewässer gesunken sind,
wieder friedlich in dasselbe Bett zurück, das sie erst mit stolzem Verschmähen
verlassen hatte.«
    »Doch ist durch die Überschwemmung«, warf der Herzog ein, »hier dürres Land
in fruchtbares verwandelt, dort Acker und Wiese zur Einöde gemacht. Derselbe
Zustand kehrt, einmal gestört, nie ganz auf dieselbe Weise wieder. Die Kunst,
jede Bewegung und Eruption, jede Krisis zum Vorteil zu lenken, das Gute
befördern und den Schaden mildern, ist nur den allerwenigsten gegeben: mit einem
Wort, die Kunst des Herrschers ist die seltenste.«
    »Sie ist wohl Talent«, bemerkte Vittoria, »und wie wir immer sehen, dass kein
großes Talent einzeln steht, sondern nur, wie Bäume im Gebirge, in der Ungebung
von Gruppen gedeiht und geschützt wird, so ist es wahrscheinlich mit der
Regentenkunst ebenfalls. Ruft eine Größe die andere hervor und weckt und stärkt
sie, oder ist es mehr der Epidemie zu vergleichen, die nun einmal, ohne dass der
Mensch die Ursache anzugeben weiß, in der Luft herrscht, und sich dann durch den
Verlauf der Zeit wieder verliert, wie sie in dieser entstanden ist? Kann man sie
nur zählen, alle die großen Männer, die sich in einem Zeitraum eines halben
Jahrhunderts, vor meiner Geburt, zusammendrängen? Ariost, Bernard Tasso,
Machiavell, Bembo, Annibal Karo; und Raffael, Buonarotti, Tizian, Korreggio,
Julio und unzählige Künstler und Maler aller Art? Fand der fünfte Karl nicht
einen zweiten Julius und zehnten Leo, und viele treffliche Kardinäle sich
gegenüber? Soll ich diesen hohen Geistern auch noch den verruchten Peter, den
Aretiner zugesellen? Aber wohl darf man noch Guicciardini nennen und Leonardo da
Vinci, wie Franz den Ersten und manchen Fürsten jener Tage. Dass
