 die klaren
und gesunden Sinne dieser ehrwürdigen und unglücklichen Frau zu schmähen. Reizen
Sie mich nicht durch Beleidigungen gegen dieselbe, die ich nie dulden werde, sie
mit den Mitteln zu verteidigen, die mir, wie Sie wohl wissen, zu Gebote
stehen!«
    »Ja,« sagte Emmy Gray, welche den Marquis mit kalter Verachtung betrachtet
hatte; - »jetzt erkenne ich das Gesicht des Sünders wieder; und der, der den
Namen des Mörders verdient, wie kein Anderer, wagt, als Zeuge Dir gegenüber zu
treten? Gott wird den Engel der Vergeltung senden und den Boden verwüsten, wo
sein Fuß weilte! - Richter, der Du Dich rühmst, hier im Namen Gottes zu richten,
lass den Bösewicht nicht Zeugnis sprechen - und höre von mir, wie schwarz seine
Seele ist!«
    »Herr von Mauville,« sagte die Marschallin mit der kalten Anmassung, welche
ihren hohen Rang in Erinnerung bringen sollte - »wir wollen nicht Zeuge sein von
den Ausbrüchen einer elenden Geisteskranken; und ich muss Sie erinnern, dass die
traurige Veranlassung, die uns pflichtmässig hier gegenwärtig sein ließ, durch
das Geständnis des Verbrechers beendigt ist; ich fordere Sie auf, das Verhör zu
schließen.«
    Würdevoll erhob sich Herr von Mauville gegen die Marschallin. »Madame,«
sagte er - »die Gegenwart Euer Gnaden ist eine freie Wahl, welche weder von uns
verlangt, noch verweigert ward; daher ist die Entfernung Euer Gnaden gewiss Ihrem
eignen Ermessen überlassen; doch kann ich damit das uns vorliegende Verhör um so
weniger für beendigt erklären, da das Geständnis eines Angeklagten immer nur
dann die Entscheidung mit sich bringt, wenn es mit den verschiedenen Anklagen
zusammen fällt und dieselben vollständig erklärt. Dies ist hier nicht der Fall.
Das Geständnis, welches unsere Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt, hüllt sich in
ein Dunkel, das wir aufzuhellen trachten müssen; da wir nicht allein berufen
sind, Schuldige zu entdecken, sondern auch Unschuldige zu beschützen. Jeder
Nachweis, der sich dazu uns darbietet, muss von uns benutzt werden, und das
Auftreten dieser Frau ist, wenn auch außer der Form, doch bei einem bloßen
Verhöre, welches Beweise zu sammeln hat, vollständig zulässig.«
    Es kostete der Marschallin einen sichtlichen Kampf, diese höfliche
Zurückweisung hinzunehmen. Sie wünschte wenigstens, durch Entfernung ihre
Beleidigung hervorzuheben; aber das brennende Verlangen, hier noch lenkend, oder
abwehrend einzuschreiten, hielt sie zwischen Gehen und Bleiben in Aufruhr
zurück, bis sie entschlossen auf ihrem Platze verblieb.
    Herr von Mauville wendete sich nach seiner kurzen Entgegnung an die
Marschallin, gegen Emmy Gray, und fragte sie, ob das Zeugnis, das sie hier
anböte, im Zusammenhange stehe mit der unglücklichen Begebenheit, die hier
verhandelt
