 Treppen bedeckten, vorüber, in die glänzenden Zimmerreihen, in denen
er die Mutter suchen musste.
    Die Marschallin von Crecy verbarg unter der feinen Miene gesellschaftlicher
Höflichkeit, die sie ihr vollständiges Eigentum nennen konnte, das unruhig
bewegte Herz einer Person, welche unaufhörlich irgend eine Absicht, irgend einen
Plan verfolgt, und von Allem, was sich um sie her bewegt, hauptsächlich
verlangt, dass es sich nach ihrer Ansicht, ihrer Bestimmung gestalte. Es war oft
bloß die Ausübung dieser Herrschaft, die ihren Entwürfen Reiz verlieh, da sie
sich selten über die Geringfügigkeit derselben täuschte, und eine bittere
Verachtung gegen Menschen und Verhältnisse fühlte, die sich beherrschen ließ.
- Man konnte sie so durch ihre eigenen Neigungen bestraft nennen; denn, indem
sie ihren ganzen Scharfsinn aufbot, jeden Widerstand um sich her zu entkräften,
machte es ihr doch gerade die übelste, finsterste Laune, dass sie Niemanden fand,
der ihr gewachsen war, obwohl er nur Gegenstand ihres ungemessenen Zornes, ihrer
rastlosen Verfolgung gewesen wäre.
    Es dürfte nicht schwer werden, hiernach die augenblickliche Stellung gegen
ihren Sohn zu folgern. Sie war außer sich, dass er Widerstand wagte; aber sie
ward dadurch belebt und zu einer Tätigkeit erhoben, die alle ihre Kräfte
anregte. - Und dass sie gerade in ihrem Sohne den Gegenstand finden musste, der
das Wagnis versuchte, ihren Willen zu lenken, machte sie stolz auf ihn und
flößte ihr den Grad von Achtung ein, der ihn ihr zum würdigen Gegner machte, der
Mühe wert, ihn zu besiegen; - denn besiegen, einen andern Gedanken hatte sie
freilich nicht!
    Das tödtliche Erkranken des alten Marschalls, wodurch die schnelle
Einberufung des Sohnes vollständig motivirt ward, war ihr kaum willkommen. Dies
Ereignis unterstand sich, ohne ihren bestimmten Willen ins Werk zu richten, was
sie sicher war, doch zu erreichen. Sie fühlte sich fast dadurch beleidigt und
regte keine Hand, es zu unterstützen; sah sich aber doch genötigt, die Hebel,
die sie für spätere Zeiten in Bereitschaft hielt, jetzt um so viel vorzurücken.
    Notwendig bedurfte sie einer Kollision der Verhältnisse. Das Eintreten
ihres Sohnes durfte nicht das Hauptereigniss sein; es hätte ihn ihr zu nahe, zu
imponirend entgegen gestellt, und das Mittel fand sich sogleich.
    Mademoiselle Louise, ihre einzige Tochter, erhielt in dem Kloster der
Benediktinerinnen einen Besuch von ihr, und die Marschallin zeigte sich hier so
vollkommen zufrieden mit der sechzehnjährigen Tochter, dass sie der Äbtissin
ihre Absicht aussprach, die Erziehung der jungen Kostgängerin vollendet zu
erklären, und Mademoiselle Louise begleitete ihre Mutter nach Paris zurück.
    Mit eben so sicherer Hand ward hier die Präsentation des jungen Fräuleins
bei der königlichen Familie bewirkt; und jetzt war Mademoiselle Louise ein
Mittelpunkt, um
