 einverstanden erklären. Er war von seinem
Elementarunterrichte her an Einfachheit gewöhnt; er hatte den Knaben und Mädchen
die Erschaffung der Welt, den Sündenfall, die Opferung Isaaks, und die
Geschichte des keuschen Joseph, ohne Episoden einzumischen, immer schlicht
heraberzählt. Der Freiherr aber, überwältigt von seinen Erinnerungen, überfüllt
mit Bezügen, Rückblicken und Seitenblicken, schachtelte dermaßen
Nebengeschichten in seine Hauptgeschichten ein, und verstieg sich oft in ein
solches Labyrinth dabei, dass dem armen Schulmeister, welcher notgedrungen den
Teseus in jenen Irrgängen spielen musste, der Faden der Ariadne häufig aus den
Händen schlüpfte. Außerdem hatte er zu bemerken, dass Münchhausen, der ihn für
einen untergeordneten Mitesser ansah, wie er es denn in der Tat auch war, ihm
keinesweges mit der gefälligen Aufmerksamkeit begegnete, wie dem alten Baron und
dem Fräulein, ja sich sogar vergebens von ihm anmahnen ließ, die Wanderung der
vertriebenen Spartaner nach dem Fürstentume Hechelkram urkundlich für ihn
auseinanderzusetzen.
    Er war daher abwechselnd böse auf den Freiherrn, und hingerissen von ihm. So
wahr ist es, dass jeder Prophet schon in seiner ersten Gemeine den Thomas findet,
welcher ihm heute folgt, und ihn morgen verleugnet.
    An einem der Erzählabende sagte der alte Baron zu seinem Gaste: »Weiß Gott,
dass ich nicht gern an Wunder glaube, und im Grunde auch der Meinung bin, die
Natur sei ein Haus, worin man noch immer jeden Tag neue Zimmer und Kammern
entdeckt, aber wenn ich bedenke, wie Ihr, liebster Münchhausen, uns
dahergeschleudert wurdet, just, als wir, wie ich nun von Emerentien und dem
Schulmeister herausgebracht habe, gleichzeitig nach einem Manne, wie Ihr seid,
das allerlebhafteste Verlangen empfanden, und auf einen Schuss den dicken
Sehnsuchtsseufzer hervorstiessen - so weiß ich wahrhaftig nicht, ob dergleichen
mit rechten Dingen zugehen kann.«
    »Und was wäre denn daran so wunderbar, wenn Sie, meine Freunde, mich
herangeseufzt hätten?« rief Münchhausen. »Darüber sind wir denn doch nun wohl
aufgeklärt, dass dem menschlichen Geiste, wenn er sich recht in einem Punkte
konzentriert, ein gesteigertes Vermögen beiwohnt, wie denn z.B. Görres in einem
überaus glaubwürdigen Buche, in seiner Christlichen Mystik, erzählt, die heilige
Katarina habe einmal wegen leichter Indisposition nicht kommunizieren können,
und deshalb während der Altarhandlung in einer entfernten Ecke der Kirche
gekniet; das habe aber gar nichts zu sagen gehabt, denn die Hostie sei über das
ganze Schiff der Kirche hinweg ihr in den Mund geflogen.
    Nun sage ich immer: Was dem einen recht ist, muss dem andern billig sein.
Können die Frommen sich das Venerabile von hundert und mehreren Schritten
herbeibeten, so haben die Weltlichen, wenn sie nur ihr Verlangen auch energisch
auf einen Punkt
