, wie man sagt, nur Armiden, die
listige Verführerin. Oswald hofft indessen doch noch ihn auszusöhnen.
 
                                       II
Du fragst mich nicht nach den komischen Leuten, obgleich Du, lustig wie ein
Knabe, an ihnen Dein Ergötzen hattest und Dich selbst nicht scheutest, über »den
gemeinsten aller gemeinnen Bedienten« wie Du ihn nanntest, zu lachen. Du fragst
mich nach Oswald und Lisbeth. Ihre Geschichte sei ja noch nicht aus, sagst du.
    Nein, ihre Geschichte ist auch nicht aus, sie hat erst begonnen. Ich hätte
nicht solchen Anteil beiden gewidmet, wenn sie zu denen gehörten, deren Blüte
das Läuten der Hochzeitglocken zu Grabe läutet. Die Geschichte ihres Herzens und
innersten Geistes nahm von dem Segen des Priesters den Ausgang.
    Ein zu frühes Beieinandersein der Liebenden hat etwas Ungeschicktes. Das
Leben ist nun einmal roh, es trennt mehr, als dass es verbinde. Der Tag wirft
viel Schaum und trübe Flut zwischen zwei Herzen, die noch nicht gelernt hatten
und auch unter solchen Umständen nicht lernen können, miteinander vertraut zu
sein - denn auch das echte Vertrauen will gelernt werden. Daher kommt es denn,
dass die meisten einander zu fremd und doch zu nahe in den Ehestand treten. Und
so entsteht die trübe und unreine Gestalt vieler Ehen. In manchem Zufälligen
hatten die Verbundenen das Wesenhafte zu finden gewähnt, das nimmt Abschied, und
nun klagen sie über bittere Enttäuschungen, wo sie im Gegenteil sich vielleicht
der Entfaltung eines Wesenhaftesten zu erfreuen hätten.
    Unser Paar wurde durch anscheinendes Missgeschick über diese gefährliche
Sandbank des Lebens hinübergespült. Draußen, in Wald und Feld, außer dem Pferch
der Zivilisation hatten sie einander gefunden, hatten einander vor aller
Bekanntschaft geliebt, der Blitz der Ahnung hatte dem einen des andern ewiges
Sein und Werden erleuchtet. Aber nun galt es, den kostbaren Gewinn für die Erde
zu festigen. An dem Tage ihres Bundes wurden sie getrennt! Trauriges Los,
glückseliges Los! In Sehnsucht und Wehmut, in zartem Harren und Darben lernte
nun eines des andern Tiefstes aus; das Feinste und Wahrste der Seelen, der
Blütenstaub des inneren Menschen wehte hinüber und herüber. Die Leidenschaft
konnte nicht aufkommen, denn die Hoffnung, festgeankert auf dem Grunde des
Sakraments, hielt sie mit sanfter Hand nieder, die Ferne zeigte jedem die zweite
teure Gestalt in verklärten Umrissen.
    Daher kannten sie einander, als er ihr bei Rotterdam aus dem Boote half,
aber sie kannten einander in der edelsten und köstlichsten Weise. Den ewigen
Menschen hatte eines in dem andern erschauen gelernt, nicht den zufälligen. Die
Begeisterung des ersten Liebesrausches hatte die süßeste und zugleich die
ernsteste hohe Schule durchgemacht. In allen Tiefen des Bewusstseins hatte sich
das Aufjauchzen des Gefühls als hohe Vernunft wiedergefunden.
    Und
