 bin ich der Dorfschulmeister Agesel von niederer deutscher Herkunft.
    Anerkennung, mein Gönner, braucht jedermann. Der größte Held und der höchste
Dichter bleiben ohne sie - und zeigte sie sich auch nur durch wütende
Feindseligkeit - gewiss nicht Held und Dichter. Es ist töricht, wenn kalte
Menschen einen in dieser Beziehung Darbenden auf sein eigenes Bewusstsein
verweisen, weil gerade die besten und tüchtigsten Seelen immerdar an sich
zweifeln, und von andern eine so große Meinung haben, dass sie in deren Schätzung
ihr Gericht finden. Alle Eigenschaften können durch tote Gleichgültigkeit der
Umgebungen zugrunde gerichtet werden.
    Anerkennung, Herr Baron, braucht auch der Narr, wenn er Narr bleiben soll.
Er will entweder gebunden und in die Zwangsjacke gesteckt, oder in seiner
eigentümlichen närrischen Vorstellungsart angesprochen sein. Lässt man ihn aber
laufen, so wird er bald vernünftig, er mag wollen oder nicht.«
    »Schulmeister«, rief der alte Baron, »Ihr sprecht da große Dinge aus.
Demnach wäre alle Unvernunft -«
    » ... sehr bald zu heilen, ja vielleicht schon ganz in der Welt ausgegangen,
wenn nicht darauf geachtet würde«, sagte der Schulmeister. - »Ein Satz, der
nicht nur im Privatleben ernstlich erwogen, sondern auch Fürsten und
Gewaltabern zum Nachdenken anempfohlen zu werden verdient. - Der Lärmen und das
Geschrei um widersinnige Vorstellungen und Handlungen rührt auch meistenteils
nicht aus einem Widerwillen gegen sie, sondern daher, dass jeder Mensch in sich
den Narren fühlt, und ihn liebt und zu erhalten wünscht. Er macht daher über den
Narren seines Nächsten so großes Aufheben, oder richtiger zu reden: er widmet
ihm Anerkennung, weil er bei sich denkt: Was du willst, dass dir die Leute tun
sollen, das tue ihnen zuerst.«
    Der alte Baron verwunderte sich jetzt wie schon früher einmal über die
Weisheit des Schulmeisters, die ihm geblieben war, obgleich er wieder den Sinn
eines gewöhnlichen Menschen angelegt hatte. Als er etwas der Art aussprach,
meinte der Schulmeister, dieser Tiefsinn, der ihm allerdings nicht recht eigne,
möge ihm wohl noch als Nachübel seines Zustandes anhaften, indessen hoffe er
auch davon bald befreit und gewöhnlicher Mensch in der vollsten Bedeutung des
Wortes zu werden.
    Da der Schlossherr sah, dass es seinem Gaste voller Ernst war, zu scheiden, so
erlaubte er ihm, von mehreren abgelegten Röcken, welche an den Pflöcken in der
Gerichtsstube umherhingen, sich einen auszuwählen. Der Schulmeister war lange
unschlüssig, ob er einen leberfarbenen Frack oder eine veilchenblaue Pekesche
mit Sammetvorstössen nehmen sollte, entschied sich aber endlich doch für die
Pekesche, weil sie den Regen besser abhielt, als der Frack.
    Als er sie eben vom Pflocke nahm, trat Karl Buttervogel mit einer
ängstlichen Miene in die
