 seit
undenklichen Zeiten feststeht, einzusammeln, halten wir per Jahr zwei Gänge,
oder Fahrten, nämlich die gegenwärtige Sommer- oder kleine Fahrt, und dann die
Winter- oder große Fahrt, kurz nach Advent. Bei der Sommerfahrt erfallen die
Zinshühner, die Zinseier und Zinskäse, an dem einen Hofe so viel, an dem andern
so viel; erstere Rubrik, nämlich die der Hühner, erfället jedoch nur pro
Diaconatu, Küsterei hat sich mit Eiern und Käsen zu begnügen. - Im Winter
erfallen die Kornzinsen an Gerste, Hafer und Roggen; da kommen wir mit zwei
Karren, weil eine die Säcke nicht zu fassen vermöglich wäre. So halten wir denn
zweimal per Jahr die Rundfahrt durch die drei Bauerschaften.«
    »Und wohin geht die Reise von hier?« fragte der Jäger.
    »Directe nach Hause«, versetzte der Küster, knöpfte seinen Oberrock los und
zog ein Federkissen hervor, welches er, ungeachtet der warmen Witterung zum
Schutze seines Magens aufgelegt hatte. Nunmehr aber, nach der starken Mahlzeit
mochte ihm dasselbe doch beschwerlich fallen. - »Gegenwärtige Bauerschaft ist
die letzte, und gegenwärtiger Oberhof der letzte Hof in selbiger, auf welchem
denn auch das herkömmliche Zinsessen vor sich geht«, sagte er.
    Der Jäger bemerkte, dass, wie es ihm vorgekommen, in der Mahlzeit, bei den
Begrüßungen, bei der Empfangnahme der Lebensmittel, ja sogar bei dem Waschen der
Teller und Schüsseln eine vorherbestimmte Ordnung geherrscht habe, worauf sich
der würdige Küster, wie folgt, weiter vernehmen ließ: »Allerdings; in jeglichem
bei diesen Zinsfahrten ist eine Observanz und ein striktes Recht, von welchem
nicht abgewichen werden darf. Morgens um sechs Uhr rücken wir aus der Stadt aus,
der Herr Diakonus, ich, meine Frau und die Pastorsmagd. Vom Reimannskotten wird,
jedoch auf höfliches Suchen und Erbitten, die Karre gestellt, welche das liebe
Gut lädt, und der Kolonus geht mit und verlässt den Herrn Diakonus nun und
nimmer, setzt sich auch, wie Sie gesehen haben, einzig und allein mit ihm zu
Tisch. Den ersten Hühnerkorb nahmen wir aus der Stadt mit, da dieser aber bei
dem ersten Hofe schon voll wird, so leihet nunmehr letzterer einen neuen für den
zweiten, und so fort bis hieher. Der Kolonus füttert hier seine Pferde mit einem
Scheffel Hafer, der vom Balstrup erhoben und mitgenommen worden ist, und die
Magd, welche die Teller und Schüsseln vor den Augen des Herrn Diakonus wieder
rein waschen muss, erhält dafür ihre drei und einen halben Stüber, gleichfalls
heute zu diesem Zweck und Ende erfallen und empfangen auf dem kleinen Beek,
Bauerschaft Branstedde.«
    »Und die Sprüche, die Sie so laut und vernehmlich vortrugen, Herr Küster,
rühren
