 Jahren mit dem Oberhofe in einer Hand vereinigt war. Hernachmalen
ist die Trennung wieder eingetreten, und es haftet demnach hier auf dem Hofe nur
ein Käse.«
    Über des Küsters rotbräunliches Gesicht hatten sich die stärksten Falten
gelagert, welche dasselbe nur aufzutreiben vermögend gewesen war, und zerlegten
es in mehrere bedenkliche Abschnitte von viereckter, rundlichter, winklichter
Gestalt. Er sprach: »Wo ist das Baumannserbe? Zersplittert und zerspellt wurde
es in den unruhigen Zeitläuften. Soll Küsterei darunter leiden? Dem sei nicht
so. Jedennoch, unter ausdrücklichem Vorbehalt aller und jeder
Rechtszuständigkeiten wegen des seit hundert und mehreren Jahren strittigen, vom
Oberhofe erfallenden zweiten Käses, empfange ich und nehme ich hiemit an auch
den einen Käse. Sonach wäre die Zinsgebühr an Pastor und Küster abgestattet, und
es käme nunmehr der gute Wille.«
    Dieser bestand in frischgebackenen Rollkuchen, wovon sechs in den
Pastorskorb und zwei in den des Küsters gelegt wurden. Hiemit war das ganze
Empfangsgeschäft beendigt. Der Küster trat dem Hofschulzen näher und sagte
folgenden dritten Spruch her:
Die Hühner waren alle sechs richtig,
Und die Käse alle vollwichtig;
Die Eier sind befunden worden frisch,
Und was sich gebührte, stand auf dem Tisch.
Deshalb der Herr Euren Hof bewahr'
Vor Hungersnot und Feuersgefahr!
Bei Gott und Menschen ist beliebt,
Wer Gift und Gaben richtig gibt.
Der Schulze machte darauf eine dankende Verbeugung. Die Küsterin und die Magd
trugen die Körbe hinaus und packten sie auf den Wagen. Zu gleicher Zeit sah der
Jäger, dass die eine Hofesmagd aus dem Zimmer, worin der Geistliche gespeist
hatte, Schüsseln und Teller auf den Flur trug, und sie, indem jener auf die
Schwelle des Zimmers trat, vor seinen Augen wusch. Nachdem sie diese Reinigung
verrichtet, näherte sie sich dem Geistlichen, er holte aus einem Papiere eine
kleine Münze und gab sie ihr.
    Der Küster ließ sich indessen den Kaffee schmecken, und da auch für den
Jäger eine Tasse hingestellt worden war, so setzte sich dieser zu ihm. »Ich bin
hier fremd«, sagte der junge Mann, »und verstehe zum Teil die Gebräuche nicht,
welche ich heute gesehen habe; wollen Sie mir dieselben nicht erklären, Herr
Küster? Ist es eine Verpflichtung, dass die Bauern den Herrn Diakonus in
Naturalien unterhalten müssen?«
    »Verpflichtung in betreff der Hühner, Eier und Käse, nicht der Rollkuchen,
welche der gute Wille sind, jedoch auch jederzeit unverweigerlich abgestattet
werden«, erwiderte der Küster höchst ernstaft. »Zum Diakonat oder zur
Oberpfarre in der Stadt sind drei Bauerschaften als Filiale eingepfarrt, und ein
Teil der Pfarr- und Küstereieinkünfte bestehet in der Zinsgebühr, welche von den
einzelnen Hofesstellen alljährlich erfället. Diese nun, wie sie überall
