 doch Kunst sein
zu wollen, war es, was mich zu meinem Handwerke zog; ich legte mich daher mit
unermüdlichem Eifer auf das Zeichnen, und glaube darin auch nicht ungeschickt
geblieben zu sein. Immer schwebten mir edle und wohlgefällige Figuren von
Tischen und Sesseln vor, und ich suchte im Sinn unserer Vorfahren entweder mit
Blumen und Laubgewinden, oder mit leichten Figuren, die an die Arabeske
grenzten, die harte gerade Linie und das Vierkantige zu verkleiden. Es ergötzte
mich unendlich die Kunst der Lackierer zu lernen, und weiß, himmelblau, rötlich
und alle Farben recht rein und dauernd hervorzubringen; noch mehr erfreute mich
die Vergoldung, wodurch Frohsinn und Heiterkeit wie von selbst in unser Leben
hineinlacht. Die Politur der Hölzer war mir ebenso wichtig, jede Baumart wurde
mir eine liebe Bekanntschaft, die ich wie einen Freund mit seinen Eigenheiten
und Vorzügen behandelte, die schöne Pappel, die sich wie in Silber oder weißen
Atlas verwandeln lässt, der rötliche Pflaumen- oder dunkle Nussbaum, das
gediegene, reichaderige Eichenholz, die weiche Else; die Geschicklichkeit, den
Maser bunt und sonderbar anzubringen, oder mit dem fremden Ebenholz fein und
zierlich einzufassen und zu umlegen: alle diese Dinge wandte ich in meiner
Phantasie hin und her, und mit inniger Freude erinnere ich mich älterer
Mobilien, deren ich auch noch einige in fremden Ländern gesehen habe, die das
Leben des Menschen wirklich mit Lust und Zier umstellten, ihn durch Gold und
Farben erheiterten, und in schön geschwungenen Zirkellinien Stuhl, Sessel, Tisch
und Schrank, auch ohne Hinsicht des Gebrauchs, zu angenehmen Gegenständen der
Betrachtung machten.«
    »Ich merke schon, mein Freund«, sagte Elsheim, »dass du in deiner Hantierung
nur ungern mit dem Zeitalter fortgeschritten bist; aber ich glaube doch nicht,
dass du alle jene Schnörkel und krummen Linien, die man sonst auf die
geschmackloseste Weise an Tischen oder andern Gegenständen angebracht, wirst
rechtfertigen wollen?«
    »Gewiss nicht«, sagte Leonhard, »denn aus dem richtigen Gefühl war durch
Übertreibung in einer gewissen Zeit etwas Unsinniges gemacht worden. Besonders
hatten die Franzosen ein Muschel- und Schnörkelwesen aus lauter willkürlich
geworfenen Bogen- und Zirkelschnitten gemacht, in welchen weder gerade Linie
noch Brauchbarkeit sichtbar blieben. Diese Dinge gehören in die Reihe jener
Buchdruckerstöcke, die um eine gewisse Zeit Mode waren, über die man, wenn man
sie genau betrachten wollte, verrückt werden möchte, wie uns denn alles ganz
Willkürliche, Unzusammenhängende, Unzweckmässige diese Empfindung erregt; es ist
das, was wir das Abgeschmackte nennen müssen, weil es geradezu dem Geschmack
entgegensteht und ihn auf immer unmöglich macht, der Nicht- oder Ungeschmack
sich aber noch immer erziehen und bilden lässt. Dieser letzte aber ist es, der
uns
