 überließ.
    Ein kurzes Gespräch mit Richmond hatte ihm zu einer gedrängten Übersicht
des Geschehenen verholfen, und er hoffte, diese Mitteilungen würden versöhnend
das Herz der Mutter erweichen.
    Er fand sie in der strengen und ernsten Haltung, die einen weniger gefassten
Mann als Graf Archimbald von jeder Annäherung zurückzudrängen geeignet war.
    Im Gegenteil aber reizte ihn diese Wahrnehmung in einzelnen Fällen noch zu
einem stärkeren Hervortreten der eigenen kalten Schärfe, und sie begannen
gewöhnlich damit, einander beim ersten Anblick wegen dessen zu zürnen, was sie
im Laufe des Beisammenseins gegen einander zu verschulden gewärtigten.
    Ich hoffe, meine teure Schwägerin, hob er, ihr zuvorkommend, an, ich finde
eine gute Stunde zur besten Botschaft, die ich glaube bringen zu können.
Richmond, der verlorne Sohn, nähert sich dem Schloss, und ich bin voran geeilt,
mir vor allen den Lohn so guter Botschaft von Eurem freundlichen Gesichte
abzufordern.
    Der jähe, plötzliche Schreck, der mit einer hohen Röte das strenge Gesicht
der Herzogin überflog, raubte ihr, tief ihr Herz erschütternd, für einen
Augenblick die Sprache. Sichtlich jedoch den Anteil von Freude bekämpfend, den
diese Nachricht in sich schloss, zeigte sie bald einen Ausdruck, gemäß der
Stimmung, die sie glaubte zeigen zu müssen.
    Ihr überrascht mich, Mylord! Lasst mich hinzusetzen, dies ist vorläufig das
einzige Gefühl, dem ich Raum geben kann. Zu früh lernen Mütter die
Notwendigkeit kennen, ihre Kinder als fremde, sich von ihnen lossagende
Personen ansehen zu müssen. Mein Sohn hat mir in seinem letzten Verfahren darin
den Unterricht gegeben, der mein Herz zu schmerzlich traf, um mich ganz frei ihm
gegenüber zu fühlen, da ich außerdem von der Schwäche frei bin, darum, weil es
eben mein Sohn ist, seinen Handlungen eine blinde Bewunderung zu zollen.
    Auf solchen Anspruch scheint er sich auch nicht beschränken zu dürfen,
erwiderte Graf Archimbald mit kühler Gleichgültigkeit, im Gegenteil scheint er
mit männlicher Festigkeit erreicht und beseitigt zu haben, was für uns alle eine
Verpflichtung geworden, deren Lösung jedoch von so mannigfacher Schwierigkeit
war, dass sie, wie billig, das Maß von Tätigkeit einer Frau übersteigen musste.
    Ich erinnere mich nicht, diese Sache, in so fern Ihr von dem Schicksale der
jungen Abenteurerin sprecht, der wir Schutz gewährten, über meine Kräfte hinaus
gehalten, wohl aber sie vollständig für meine Angelegenheit erklärt und
Niemandem die Verantwortlichkeit auferlegt zu haben, womit dann der Gegenstand
für alle Andern erledigt und ich, jede unberufene Einmischung als Anmassung und
beleidigende Bevormundung meines Willens anzusehen, befugt war. -
    Es ist nicht anzunehmen, sagte Graf Archimbald, dass wer in der Nähe Eurer
Durchlaucht lebt, sich nicht von der Schwierigkeit solcher Einschreitungen
überzeugt haben sollte. - Erlaubt mir jedoch
