 die Verirrungen der Jugend schützte, und ihn
so mild und ritterlich zugleich darstellt. Immer war es mir, als ob in seinen
Augen so etwas unaussprechlich Anziehendes läge, eine Mischung von Geist und
Schwermut, geschaffen, die Gemüter in der grenzenlosesten Hingebung zu
fesseln.
    Er hat die Augen der Stuarts, sagte die jüngere Herzogin mit hervorgehobener
Kälte; man hat stets viel und in vielen Verhältnissen und an den verschiedensten
Individuen von ihrer Zauberkraft gefabelt, und obwohl sie mir diesen Eindruck
nie machten, sehe ich doch, die Wirkung blieb für meinen Sohn aufgehoben. Denn
wahrlich, fuhr sie fort und streckte die Hand, sich erheiternd, nach ihm hin, Du
glühst in der Erinnerung dieser Augen, und Dein künftiger König mag mit
Empfindungen zufrieden sein, die Dich, wie es scheint, in grenzenloser
Ergebenheit an ihn fesseln werden.
    Ja, teure Mutter! Ich würde für den Prinzen, den ich von Kindheit an liebte
und durch des Vaters Erzählungen fort lieben lernte, mit Entzücken mein Leben
geben, und er wird in mir einen Untertanen finden, wie er ihn hoffentlich nie
bedürfen wird, der seine Rechte mit Gut und Blut zu verteidigen bereit wäre. -
Er wusste nicht, wie er in diesen Worten sowohl sein, als des Prinzen späteres
Schicksal bezeichnete. So wird in unserer Empfindung oft Jahre lang vorher die
Fähigkeit vorbereitet, die das Leben späterhin in das Dasein ruft, und wir
nehmen oft den Platz wirklich ein, den wir in der Jugend mit unsern Träumen und
Wünschen umschlichen, ohne seine Erreichung für möglich zu halten. Wer möchte
die Grenzen bestimmen, die unser inneres Streben, das uns oft selbst nicht
deutlich wird, hier in einem höheren Willen findet; wer kann sagen, ob wir das
Schicksal heranzogen durch die Richtung, die wir uns gaben; oder ob es das
Schicksal war, welches uns gerade diese Richtung der Ansichten und Empfindungen
aufnötigte, deren wir oft nicht eher uns bewusst werden, als eben in dem
Augenblicke, der sie zugleich in Taten hervortreten lässt. - Die begeisterten
Worte des Jünglings hatten eine augenblickliche Stille des Nachdenkens
veranlasst, und vielleicht mochten in den älteren Personen sich ähnliche Gedanken
regen; doch die Herzogin liebte nicht, in fremde Empfindungen einzugehen, und
hielt gern sich und Andere in den ihr bereits bequem gewordenen Grenzen.
    Der Prinz war der Freund meines Gemahls, hob sie an, als ob sie dadurch
Alles ausdrücken wolle, was er in ihrem Anteile besitzen könnte, aber ich
gestehe, dass ich mich nie bis zu einer Bewunderung dessen habe erheben können,
was in meinen Augen selbst in dem Falle, der ihn in den Deinigen, mein Sohn, so
zu erheben scheint, nur eine unmännliche Schwäche war. Was ist mehr Gottes
