 führen pflege, weil ich
der Meinung bin, dass das Christentum, ist es echter Art, dem Blute gleichen
müsse, welches, mit den Werkzeugen des Lebens verbunden, sie in ungetrennter
Gemeinschaft durchdringend, ihnen eben gerade das Leben schafft, während
dasselbe, von jenen Werkzeugen getrennt, für sich allein nicht bestehn kann,
vielmehr dann bald sich scheidet, gerinnt und verdirbt. Ich liebe es daher, euch
aus noch so geringfügig scheinenden Gelegenheiten, aus eurer Arbeit und aus
eurem Gewerbe, aus den kleinsten Vorfällen eurer Hauswesen, die Quellen der
Erbauung zu öffnen, und bestrebte mich, den Gott, welcher jedem erscheinen muss,
wenn er das Samenkorn in die Erde legt, oder sein Tagewerk am Webstuhle
vollendet hat, vor aller Augen zu enthüllen.
    Lasst mich also auch an dieser Bahre meines Brauchs pflegen, lasst uns nicht
in allgemeinen Todesbetrachtungen, welche ohne Frucht und unnütz sein würden,
sondern in dem besonderen Hinblicke auf den Fall, welcher uns hier
zusammengeführt hat, unsre Gedanken vereinigen!
    Es ist ein Gerede unter den Menschen, dass Mäßigkeit, Nüchternheit, Vorsicht,
die heilsame Kälte, welche die Schritte erwägt und den Fuß nicht eher zum
Weitergehn aufheben mag, bis man habe, wo man ihn niedersetze, dass diese Dinge,
sage ich, zwar gute und einträgliche Eigenschaften seien, dass sie aber zu
höheren und seltneren Gewinnen nicht hinzuführen vermögen, und dass sie
namentlich den Menschen, welcher mit ihnen begabt ist, unfähig zu den sanften
und warmen Empfindungen machen, auf welchen die Liebe ihr schönes Gebäude
gründet. Man nennt die Verbindungen, welche nicht im Rausche der Leidenschaft
geschlossen werden, Scheinbündnisse, man glaubt, dass bei ihrer Eingehung nur der
Trieb der Gewohnheit oder eine herzlose Berechnung obgewaltet haben könne.
    Seht hier ein Beispiel von der Nichtigkeit dieses Redens und Meinens! Über
die Jünglingsjahre längst hinaus, ohne stürmische Aufwallung, bedächtig das
Wichtige überlegend, knüpfte der verehrte Mann, um den uns eine fromme Feier
versammelt hat, das Band, dessen Unzerreissbarkeit eben diese Feier aussprechen
soll. Wohl allen denen, welche einander im Augenblicke der ersten, oft so
oberflächlichen Bekanntschaft die Ewigkeit ihrer leichtentstandnen Aufregung
versichern, wenn sie mit der Innigkeit verbunden blieben, welche hier dem ruhig
gegebnen und empfangnen Worte folgten! Sämtlich sind wir Zeugen gewesen der
Zucht und Einigkeit, des Vertrauens und des Glücks, aller der Gnaden und
Segnungen, welche diese wahrhaft gottgefällige Ehe schmückten. Aber nicht genug,
dass sie auf Erden die Bestimmung der göttlichen Einrichtung - das Bild der
vollkommenen Menschheit durch zwei darzustellen - im genügendsten Masse erfüllte;
auch über das Grab hinaus reichten ihre Einflüsse und Wirkungen. Die Gattin
scheidet, und der Zurückbleibende richtet seine Blicke beharrlich der
Entschwundnen nach. Fest die Zügel der ihm
