
binnen kurzem die Maschine, ein kräftig wirkendes Pumpen-Saug- und Schöpfwerk,
welches in jeder Sekunde mehrere Tonnen Wassers zu enteben vermochte, wurde an
den Spiegel des Weihers geführt und mit den Armen der Dampfmaschine in
Verbindung gesetzt. Nun glühten die Kohlen des Ofens, nun hoben sich die langen
eisernen Arme der Maschine, griffen in die Öhre der Pumpenstengel, trieben die
Schöpfräder um. Die abgezognen Fluten bildeten den Berg hinunter einen Giessbach,
und über den wirkenden Kräften ruhte die dichte, schwarze Wolke, welche
dergleichen Stätten zyklopischer Feuertätigkeit bezeichnet.
    
    Sobald der Grund sichtbar werden würde, sollten Sachverständige prüfen, ob
die Quellen zu verstopfen sein möchten. Jedenfalls war vorauszusehn, dass man
nach der Seite des Mausoleums zu durch Letten- und Sandsäcke jede Verbindung mit
dessen Wölbung werde aufzuheben vermögen.
    Dies wurde für so gewiss gehalten, dass der Oheim, der überhaupt mit
krankhafter Ungeduld nach der Beendigung des Werks verlangte, das Austrocknen
des Weihers nicht abwarten wollte, um die Beisetzung des Leichnams zu
veranstalten. Was ihn in seiner Zuversicht bestärkte, war der Umstand, dass, wie
die Wassermasse sich verringerte, auch das Durchsintern bedeutend abnahm, so dass
man mit Hilfe einer bleiernen Rinne schon jetzt das Gewölbe entnässen konnte.
    Er entwarf daher den Plan zu der Feierlichkeit, die übrigens höchst einfach
und schmucklos sein sollte. Seine Geschäftsfreunde und Vorstände hatten sich
erboten, den Sarg auf ihren Schultern aus dem Erbbegräbnis der Grafen
herabzutragen. Der Prediger sollte mit der Schuljugend folgen, jedoch wegen
Länge des Weges auf diesem kein Lied anstimmen. Oben, bei dem Mausoleum wollte
der Oheim mit Kornelien und einigen andern jungen Mädchen, deren sich die
Verstorbne angenommen hatte, den Zug erwarten. Die Mädchen hatten einen schönen
Psalm eingeübt, mit welchem sie die sterblichen Überreste ihrer Wohltäterin
begrüßen wollten; unter diesen ernsten Tönen sollte der Sarg in der Gruft
niedergesetzt werden, und ein kurzes Gebet des Predigers den Schluss der
Bestattung machen.
    Am Vorabende unterhielt sich der Oheim mit dem Prediger lange über Dinge,
auf welche die Umstände wohl führen mussten. »Ich kann ganz genau meine
Lebenskraft berechnen«, sagte er, »und sehe voraus, dass ich noch den Winter
hindurch vorhalten, und erst im Frühjahre, wo alles Mürbgewordne sich sacht von
dannen begibt, abscheiden werde. Es ist mir lieb, dass die Natur sich gegen die
Eigentümlichkeit meines Wesens gefällig bezeugt, mich nicht unvermutet aus der
Mitte ungeordneter Geschäfte hinwegreisst, sondern mir Zeit lässt, mein Haus als
ein ordentlicher Wirt zu bestellen. Dieser Winter ist zur Anfertigung meines
Testaments bestimmt, und ich darf Ihnen von dessen Inhalte so viel voraussagen,
dass ich damit umgehe, eine Art von Fideikommiss zu errichten, um meinem Sohne die
Zerstörung des Werks, welches ich
