 und an seine Paroles
d'un Croyant! Ein wie verschiedener Mann von Günter, und doch haben beide, als
Männer des katholischen Fortschritts, viel Ähnliches mit einander gemein! Ja,
ich glaube, dass Günter sich den früheren Schriften von La Mennais anfänglich
angeschlossen hat, wenn er auch die Paroles, über die ich ihn jedoch nie
sprechen gehört, schwerlich anders als verdammen wird. Denn der Jacobinismus in
der Theologie, dem sich La Mennais in dieser listig berechneten Schrift
hingegeben, ist der sittlich edlen und geistig reinlichen Natur eines Günter
durchaus entgegengekehrt. Er, der Schöpfer des speculativen Katholizismus, will
eine wissenschaftliche Bewegung, welche die Parteien des Glaubens in der Idee
der Wissenschaft vermitteln und vereinbaren soll. La Mennais aber predigt einen
religiösen Radikalismus, einen frommen Strassenaufruhr, so unglaublich auch immer
eine solche Zusammenstellung klingen kann. Aber wer weiß, was noch alles für
Wortformen, für pikante Zusammenwürfelungen von Adjectiven und Substantiven
nötig werden, um das, was die Zeit immer bunter in einander übergreifen lässt,
zu bezeichnen, denn auch in die Sprache schlägt die Bewegung schneidend ein. Und
La Mennais predigt zu den Ouvriers, zu den Tagelöhnern, zu den
Handwerksgesellen, er führt eine demagogische Andacht in den Schenken und
niedrigeren Weinhäusern ein, und bewaffnet die gefährlichste Klasse des Volkes
mit giftig scharfen Sentenzen. Die Worte eines Gläubigen sind mehr aus kirchlich
politischer, als aus religiöser Bedeutung anzusehen. Es ist ein politischer
Feldzug auf dem Gebiet der Kirche, mit einem großen, zum Teil einzigen Talent
der Form ausgeführt. In Frankreich war diese Erscheinung längst zu erwarten, und
ich wundere mich, dass sie nicht schon früher sich da gezeigt hat. Der Abbé de la
Mennais, nach vorhergegangener Excommunication kaum wieder zu Gnaden angenommen
vom heiligen Vater, musste es sein, der abermals durch eine mit dem größten und
salbungsvollsten Ernst versponnene Intrigue gewaltiges Ärgernis erregte vor dem
päbstlichen Stuhl. Aber in Frankreich war der Katholizismus lange der Bewegung
verfallen, in Frankreich, das die ersten Kriegsheere gegen die Legitimität auf
den Schauplatz der Geschichte gestellt hat. Sobald sich dies Volk bestimmt in
dem Gedanken gefasst hatte, dass es das Volk der Bewegung sei für die neueren
Zeiten, wurde es ihm notwendig, den Begriff der Staatsreligion aufzuheben im
Lande. Der Katholizismus, die Religion der Legitimität, konnte nicht mehr
Religion sein des an die Bewegung hingegebenen Staates. So wurde die Idee der
Aufhebung der Staatsreligion zuerst unter den Franzosen lebendig, aus keinem
andern Grunde aber, als weil diese Staatsreligion der Katholizismus war. Denn in
dem auf ähnlichen politischen Institutionen beruhenden England, wo die
herrschende Kirche die protestantische ist, bleibt der Begriff der
Staatsreligion bis jetzt noch erhalten.
    Mir gefiel der kleine Herzog von Bordeaux. Er zögerte etwas, den
