 der letzten Zeit gar zu lässig von ihm gepflegt, so
gut wie eingeschlafen war; um so schlimmer für Noltens Recht, wenn ich ohnehin
Ursache hatte, ihm böse zu sein. Bei Ihnen, Beste, spricht ein reines
menschliches Gefühl zugunsten des übrigens so braven Künstlerpaares, und ich
gestehe Ihnen, auch mich will in Ihrer Nähe die alte Vorliebe für diesen Maler
wieder einnehmen, ohne dass Sie noch ein Wort zu seiner Verteidigung vorgebracht
- aber vielleicht gerade darum könnt ich ihm verzeihen, weil Sie ihn nicht
verteidigen. Könnte ich bei dem Lärm, bei der Erbitterung, die der tolle Vorfall
schon bei Hofe veranlasst hat, ganz ruhig sein, mich vor dem Verdachte der
Parteilichkeit bei meinem Bruder sichern, ich möchte die Herren wohl
freisprechen und alles zu vertuschen suchen; so aber bin ich der Sorge doch
nicht los, und meiner Stellung zu dem guten Maler erwächst aus der dummen
Geschichte auf alle Fälle eine bleibende Schwierigkeit. Doch, was beschwere ich
Sie mit diesen Unbilden - Lassen Sie uns davon schweigen. Am artigsten wär's«,
setzte er scherzend hinzu, »man setzte ein Gericht nieder, bestehend aus einem
Archäologen, einem Professor der Ästetik und einem Advokaten, die sich über das
Manuskript und die Bilder hermachen sollten. Nicht wahr, meine Schönste?«
    Die wahre Gesinnung des Herzogs und seine schwierige Lage lässt sich übrigens
leicht aus folgenden Bemerkungen erkennen.
    Weit entfernt von der Torheit, in der fabelhaften Figur jenes
tausendjährigen Königs eine ehrenrührige Beziehung zu entdecken, fand er diese
Beziehung eher schön und wohlgemeint; dagegen ihm die Ähnlichkeit jener
Feenfürstin mit Viktorien um so bedenklicher vorkam. Denn wenn gleich das wahre
Verhältnis dieser Person zum verstorbenen Regenten nicht ganz getroffen sein
mochte, so war die scheinbarste Seite davon doch so charakteristisch
herausgehoben, dass man nicht leugnen konnte, ein sehr frappantes Bild von
Viktoriens Erscheinung vor sich zu haben. Die Zeichnung des selbstsüchtigen
schalkhaften und doch wieder so innigen Wesens ahmte wirklich die leisesten
Nuancen nach. Das alles hätte noch hingehen mögen. Aber diese Dame glänzte noch
am Hofe, das Vertrauen, das Nikolaus ihr geschenkt hatte, ward noch vom Sohne
geehrt. Insoferne müssen wir jenes Spiel höchst unbedachtsam nennen. Dennoch
hätte es vielleicht dem Herzog nicht schwer sein müssen, den möglichen Schaden
abzulenken, wäre nicht der König selbst in einer müßigen Stunde auf das
verschrieene Manuskript neugierig gewesen. Hier entging ihm denn so manche
Verwandtschaft keineswegs, er äußerte sich mit großer Unzufriedenheit über eine
so unschickliche Anspielung, namentlich die leichtfertige oder ernste Einführung
der bewussten wertgeschätzten Frau empörte ihn als eine unverzeihliche
Vermessenheit. Der Herzog besänftigte ihn vorläufig, indem er dieses und jenes
noch problematisch darstellte, versprach, das Ganze nochmals genau zu
durchgehen, sowie auch nähere Erkundigungen einzuziehen
