 das Geheimnis einzudringen
trachtete.
    Im Anfange, wie er nicht undeutlich zu verstehen gab, hielt er es für
Täuschung; denn sie leugnete nicht, dass von der ersten Jugend an sie sich um die
Stern- und Himmelskunde fleißig bekümmert habe, dass sie darin wohl unterrichtet
worden und keine Gelegenheit versäumt, sich durch Maschinen und Bücher den
Weltbau immer mehr zu versinnlichen. Deshalb er sich denn nicht ausreden ließ,
es sei angelernt. Die Wirkung einer in hohem Grad geregelten Einbildungskraft,
der Einfluss des Gedächtnisses sei zu vermuten, eine Mitwirkung der Urteilskraft,
besonders aber eines versteckten Kalküls.
    Er ist ein Matematiker und also hartnäckig, ein heller Geist und also
ungläubig; er wehrte sich lange, bemerkte jedoch, was sie angab, genau, suchte
der Folge verschiedener Jahre beizukommen, wunderte sich besonders über die
neusten, mit dem gegenseitigen Stande der Himmelslichter übereintreffenden
Angaben und rief endlich aus: »Nun warum sollte Gott und die Natur nicht auch
eine lebendige Armillarsphäre, ein geistiges Räderwerk erschaffen und
einrichten, dass es, wie ja die Uhren uns täglich und stündlich leisten, dem Gang
der Gestirne von selbst auf eigne Weise zu folgen imstande wäre?«
    Hier aber wagen wir nicht, weiter zu gehen; denn das Unglaubliche verliert
seinen Wert, wenn man es näher im einzelnen beschauen will. Doch sagen wir
soviel: Dasjenige, was zur Grundlage der anzustellenden Berechnungen diente, war
folgendes: Ihr, der Seherin, erschien unsere Sonne in der Vision um vieles
kleiner, als sie solche bei Tage erblickte, auch gab eine ungewöhnliche Stellung
dieses höheren Himmelslichtes im Tierkreise Anlass zu Folgerungen.
    Dagegen entstanden Zweifel und Irrungen, weil die Schauende ein und das
andere Gestirn andeutete als gleichfalls in dem Zodiak erscheinend, von dem man
aber am Himmel nichts gewahr werden konnte. Es mochten die damals noch
unentdeckten kleinen Planeten sein. Denn aus andern Angaben ließ sich schließen,
dass sie, längst über die Bahn des Mars hinaus, der Bahn des Jupiter sich nähere.
Offenbar hatte sie eine Zeitlang diesen Planeten, es wäre schwer zu sagen in
welcher Entfernung, mit Staunen in seiner ungeheuren Herrlichkeit betrachtet und
das Spiel seiner Monde um ihn her geschaut; hernach aber ihn auf die
wunderseltsamste Weise als abnehmenden Mond gesehen, und zwar umgewendet, wie
uns der wachsende Mond erscheint. Daraus wurde geschlossen, dass sie ihn von der
Seite sehe und wirklich im Begriff sei, über dessen Bahn hinauszuschreiten und
in dem unendlichen Raum dem Saturn entgegenzustreben. Dorthin folgt ihr keine
Einbildungskraft, aber wir hoffen, dass eine solche Entelechie sich nicht ganz
aus unserm Sonnensystem entfernen, sondern, wenn sie an die Grenze desselben
gelangt ist, sich wieder zurücksehnen werde, um zugunsten unsrer Urenkel in das
irdische Leben und Wohltun wieder einzuwirken.
