 schon vor sich sehend.
    Lydie dagegen, erst durch jene glücklichen Segnungen zu teilnehmender Liebe
wieder auferwacht, sah im Geiste schon ihre Schülerinnen sich ins Hundertfache
vermehren und ein ganzes Volk von Hausfrauen zu Genauigkeit und Zierlichkeit
eingeleitet und aufgeregt. Auch der ernste Montan hat die dortige Bergfülle an
Blei, Kupfer, Eisen und Steinkohlen dergestalt vor Augen, dass er alle sein
Wissen und Können manchmal nur für ängstlich tastendes Versuchen erklären
möchte, um erst dort in eine reiche, belohnende Ernte mutig einzugreifen.
    Dass Montan sich mit unserm Astronomen bald verstehen würde, war
vorauszusehen. Die Gespräche, die sie in Gegenwart Makariens führten, waren
höchst anziehend; wir finden aber nur weniges davon niedergeschrieben, indem
Angela seit einiger Zeit beim Zuhören minder aufmerksam und beim Aufzeichnen
nachlässiger geworden war. Auch mochte ihr manches zu allgemein und für ein
Frauenzimmer nicht fasslich genug vorkommen. Wir schalten daher nur einige der in
jene Tage gehörigen Äußerungen hier vorübergehend ein, die nicht einmal von
ihrer Hand geschrieben uns zugekommen sind.
Bei dem Studieren der Wissenschaften, besonders derer, welche die Natur
behandeln, ist die Untersuchung so nötig als schwer: ob das, was uns von alters
her überliefert und von unsern Vorfahren für gültig geachtet worden, auch
wirklich gegründet und zuverlässig sei, in dem Grade, dass man darauf fernerhin
sicher fortbauen möge? oder ob ein herkömmliches Bekenntnis nur stationär
geworden und deshalb mehr einen Stillstand als einen Fortschritt veranlasse? Ein
Kennzeichen fördert diese Untersuchung, wenn nämlich das Angenommene lebendig
und in das tätige Bestreben einwirkend und fördernd gewesen und geblieben.
    Im Gegensatze steht die Prüfung des Neuen, wo man zu fragen hat: ob das
Angenommene wirklicher Gewinn oder nur modische Übereinstimmung sei? denn eine
Meinung, von energischen Männern ausgehend, verbreitet sich kontagios über die
Menge, und dann heißt sie herrschend - eine Anmassung, die für den treuen
Forscher gar keinen Sinn ausspricht. Staat und Kirche mögen allenfalls Ursache
finden, sich für herrschend zu erklären: denn die haben es mit der
widerspenstigen Masse zu tun, und wenn nur Ordnung gehalten wird, so ist es ganz
einerlei, durch welche Mittel; aber in den Wissenschaften ist die absoluteste
Freiheit nötig: denn da wirkt man nicht für heut und morgen, sondern für eine
undenklich vorschreitende Zeitenreihe.
    Gewinnt aber auch in der Wissenschaft das Falsche die Oberhand, so wird doch
immer eine Minorität für das Wahre übrigbleiben, und wenn sie sich in einen
einzigen Geist zurückzöge, so hätte das nichts zu sagen. Er wird im stillen, im
verborgenen fortwaltend wirken, und eine Zeit wird kommen, wo man nach ihm und
seinen Überzeugungen fragt, oder wo diese sich, bei verbreitetem allgemeinem
Licht, auch wieder hervorwagen dürfen.
    Was jedoch weniger allgemein, obgleich unbegreiflich und wunderseltsam
