
    Vom alten Gewebe ist noch etwa eine Viertelelle am zweiten Weberbaum
übriggeblieben, und von diesem laufen etwa drei Viertelellen lang die Fäden
durch das Blatt in der Lade sowohl als durch die Flügel des Geschirrs. An diese
Fäden nun dreht die Weberin die Fäden des neuen Zettels, einen um den andern,
sorgfältig an, und wenn sie fertig ist, wird alles Angedrehte auf einmal
durchgezogen, so dass die neuen Fäden bis an den noch leeren vorderen Weberbaum
reichen; die abgerissenen Fäden werden angeknüpft, der Eintrag auf kleine Spulen
gewunden, wie sie ins Weberschiffchen passen, und die letzte Vorbereitung zum
Weben gemacht, nämlich geschlichtet.
    So lang der Weberstuhl ist, wird der Zettel mit einem Leimwasser, aus
Handschuhleder bereitet, vermittelst eingetauchter Bürsten durch und durch
angefeuchtet, sodann werden die obengedachten Schienen, die das Gerispe halten,
zurückgezogen, alle Fäden aufs genaueste in Ordnung gelegt und alles so lange
mit einem an einen Stab gebundenen Gänseflügel gefächelt, bis es trocken ist,
und nun kann das Weben begonnen und fortgesetzt werden, bis es wieder nötig wird
zu schlichten.
    Das Schlichten und Fächeln ist gewöhnlich jungen Leuten überlassen, welche
zu dem Webergeschäft herangezogen werden, oder in der Musse der Winterabende
leistet ein Bruder oder ein Liebhaber der hübschen Weberin diesen Dienst, oder
diese machen wenigstens die kleinen Spülchen mit dem Eintragsgarn.
    Feine Musseline werden nass gewebt, nämlich der Strang des Einschlagegarns
wird in Leimwasser getaucht, noch nass auf die kleinen Spulen gewunden und
sogleich verarbeitet, wodurch sich das Gewebe gleicher schlagen lässt und klarer
erscheint.
                                                  Donnerstag, den 18. September.
Ich fand überhaupt etwas Geschäftiges, unbeschreiblich Belebtes, Häusliches,
Friedliches in dem ganzen Zustand einer solchen Weberstube; mehrere Stühle waren
in Bewegung, da gingen noch Spinn- und Spulräder, und am Ofen die Alten mit den
besuchenden Nachbarn oder Bekannten sitzend und trauliche Gespräche führend.
Zwischendurch ließ sich wohl auch Gesang hören, meistens Ambrosius Lobwassers
vierstimmige Psalmen, seltener weltliche Lieder; dann bricht auch wohl ein
fröhlich schalendes Gelächter der Mädchen aus, wenn Vetter Jakob einen witzigen
Einfall gesagt hat.
    Eine recht flinke und zugleich fleißige Weberin kann, wenn sie Hilfe hat,
allenfalls in einer Woche ein Stück von 32 Ellen nicht gar zu feine Musseline
zustande bringen; es ist aber sehr selten, und bei einigen Hausgeschäften ist
solches gewöhnlich die Arbeit von vierzehn Tagen.
    Die Schönheit des Gewebes hängt vom gleichen Auftreten des Webegeschirres
ab, vom gleichen Schlag der Lade, wie auch davon, ob der Eintrag nass oder
trocken geschieht. Völlig egale und zugleich kräftige Anspannung trägt ebenfalls
bei, zu welchem Ende die Weberin feiner baumwollener Tücher einen schweren Stein
an den Nagel des vorderen Weberbaums hängt. Wenn während der Arbeit das Gewebe
kräftig angespannt wird (das Kunstwort heißt dämmen
