 zu
erscheinen, aus dem Stegreif eine prosaische Paraphrase, die aber nicht recht
gelingen wollte, wodurch das Gespräch beinahe ins Stocken geraten wäre.
    Die ältere Dame griff deshalb nach einem bei dem Eintritt des Freundes
niedergelegten Buche; es war eine Sammlung von Poesien, welche soeben die
Aufmerksamkeit der Freundinnen beschäftigte; dies gab Gelegenheit, von
Dichtkunst überhaupt zu sprechen, doch blieb die Unterhaltung nicht lange im
Allgemeinen, denn gar bald bekannten die Frauenzimmer zutraulich, dass sie von
dem poetischen Talent des Majors unterrichtet seien. Ihnen hatte der Sohn, der
selbst auf den Ehrentitel eines Dichters seine Absichten nicht verbarg, von den
Gedichten seines Vaters vorgesprochen, auch einiges rezitiert; im Grunde, um
sich mit einer poetischen Herkunft zu schmeicheln und, wie es die Jugend gewohnt
ist, sich für einen vorschreitenden, die Fähigkeiten des Vaters steigernden
Jüngling bescheidentlich geben zu können. Der Major aber, der sich
zurückzuziehen suchte, da er bloß als Literator und Liebhaber gelten wollte,
suchte, da ihm kein Ausweg gelassen war, wenigstens auszuweichen, indem er die
Dichtart, in der er sich allenfalls geübt habe, für subaltern und fast für
unecht wollte angesehen wissen; er konnte nicht leugnen, dass er in demjenigen,
was man beschreibend und in einem gewissen Sinne belehrend nennt, einige
Versuche gemacht habe.
    Die Damen, besonders die jüngere, nahmen sich dieser Dichtart an; sie sagte:
»Wenn man vernünftig und ruhig leben will, welches denn doch zuletzt eines jeden
Menschen Wunsch und Absicht bleibt, was soll uns da das aufgeregte Wesen, das
uns willkürlich anreizt, ohne etwas zu geben, das uns beunruhigt, um uns denn
doch zuletzt uns wieder selbst zu überlassen; unendlich viel angenehmer ist mir,
da ich doch einmal der Dichtung nicht gern entbehren mag, jene, die mich in
heitere Gegenden versetzt, wo ich mich wiederzuerkennen glaube, mir den
Grundwert des Einfach-Ländlichen zu Gemüte führt, mich durch buschige Haine zum
Wald, unvermerkt auf eine Höhe zum Anblick eines Landsees hinführt, da denn auch
wohl gegenüber erst angebaute Hügel, sodann waldgekrönte Höhen emporsteigen und
die blauen Berge zum Schluss ein befriedigendes Gemälde bilden. Bringt man mir
das in klaren Rhytmen und Reimen, so bin ich auf meinem Sofa dankbar, dass der
Dichter ein Bild in meiner Imagination entwickelt hat, an dem ich mich ruhiger
erfreuen kann, als wenn ich es, nach ermüdender Wanderschaft, vielleicht unter
andern, ungünstigen Umständen vor Augen sehe.«
    Der Major, der das vorwaltende Gespräch eigentlich nur als Mittel ansah,
seine Zwecke zu befördern, suchte sich wieder nach der lyrischen Dichtkunst
hinzuwenden, worin sein Sohn wirklich Löbliches geleistet hatte. Man widersprach
ihm nicht geradezu, aber man suchte ihn von dem Wege wegzuscherzen, den
