, sagte Wilhelm, »werden Sie mir gestehen, dass der Mensch
der Veränderung nicht widersteht, welche die Zeit hervorbringt.« - »Freilich«,
sagte der Alte, »aber doch der am längsten sich erhält, hat auch etwas
geleistet.
    Ja sogar über unser Dasein hinaus sind wir fähig, zu erhalten und zu
sichern; wir überliefern Kenntnisse, wir übertragen Gesinnungen so gut als
Besitz, und da mir es nun vorzüglich um den letzten zu tun ist, so hab' ich
deshalb seit langer Zeit wunderliche Vorsicht gebraucht, auf ganz eigene
Vorkehrungen gesonnen; nur spät aber ist mir's gelungen, meinen Wunsch erfüllt
zu sehen.
    Gewöhnlich zerstreut der Sohn, was der Vater gesammelt hat, sammelt etwas
anders, oder auf andere Weise. Kann man jedoch den Enkel, die neue Generation
abwarten, so kommen dieselben Neigungen, dieselben Ansichten wieder zum
Vorschein. Und so hab' ich denn endlich, durch Sorgfalt unserer pädagogischen
Freunde, einen tüchtigen jungen Mann erworben, welcher womöglich noch mehr auf
hergebrachten Besitz hält als ich selbst und eine heftige Neigung zu
wunderlichen Dingen empfindet. Mein Zutrauen hat er entschieden durch die
gewaltsamen Anstrengungen erworben, womit ihm das Feuer von unserer Wohnung
abzuwehren gelang; doppelt und dreifach hat er den Schatz verdient, dessen
Besitz ich ihm zu überlassen gedenke; ja er ist ihm schon übergeben, und seit
der Zeit mehrt sich unser Vorrat auf eine wundersame Weise.
    Nicht alles jedoch, was Sie hier sehen, ist unser. Vielmehr, wie Sie sonst
bei Pfandinhabern manches fremde Juwel erblicken, so kann ich Ihnen bei uns
Kostbarkeiten bezeichnen, die man, unter den verschiedensten Umständen, besserer
Aufbewahrung halber hier niedergestellt.« Wilhelm gedachte des herrlichen
Kästchens, das er ohnehin nicht gern auf der Reise mit sich herumführen wollte,
und enthielt sich nicht, es dem Freunde zu zeigen. Der Alte betrachtete es mit
Aufmerksamkeit, gab die Zeit an, wann es verfertigt sein könnte, und wies etwas
Ähnliches vor. Wilhelm brachte zur Sprache: ob man es wohl eröffnen sollte? Der
Alte war nicht der Meinung. »Ich glaube zwar, dass man es ohne sonderliche
Beschädigung tun könne«, sagte er; »allein da Sie es durch einen so wunderbaren
Zufall erhalten haben, so sollten Sie daran Ihr Glück prüfen. Denn wenn Sie
glücklich geboren sind und wenn dieses Kästchen etwas bedeutet, so muss sich
gelegentlich der Schlüssel dazu finden, und gerade da, wo Sie ihn am wenigsten
erwarten.« - »Es gibt wohl solche Fälle«, versetzte Wilhelm. »Ich habe selbst
einige erlebt«, erwiderte der Alte; »und hier sehen Sie den merkwürdigsten vor
sich. Von diesem elfenbeinernen Kruzifix besaß ich seit dreißig Jahren den
Körper
