 erwiderte Kreisler, »es ist unmöglich, und ich
vermute beinahe, dass die dunkle Erinnerung, wie ich sonst, was eben meine äußere
Gestalt rücksichte des Namens als Lebenspasseport betrifft, anders gestaltet,
aus der angenehmen Zeit herrührt, da ich eigentlich noch gar nicht geboren. -
Erzeigen Sie mir die Güte, Verehrungswürdigste, betrachten Sie meinen schlichten
Namen im gehörigen Licht, und Sie werden ihn, was Zeichnung, Kolorit und
Physiognomie betrifft, allerliebst finden! Noch mehr! stülpen Sie ihn um,
sezieren Sie ihn mit dem grammatischen Anatomiermesser, immer herrlicher wird
sich sein innerer Gehalt zeigen. Es ist ganz unmöglich, Vortreffliche, dass Sie
meines Namens Abstammung in dem Worte Kraus finden und mich, nach der Analogie
des Wortes Haarkräusler, für einen Tonkräusler oder gar für einen Kräusler
überhaupt halten können, da ich mich alsdann eben Kräusler schreiben müsste. Sie
können nicht wegkommen von dem Worte Kreis, und der Himmel gebe, dass Sie denn
gleich an die wunderbaren Kreise denken mögen, in denen sich unser ganzes Sein
bewegt, und aus denen wir nicht herauskommen können, wir mögen es anstellen, wie
wir wollen. In diesen Kreisen kreiselt sich der Kreisler, und wohl mag es sein,
dass er oft, ermüdet von den Sprüngen des St.-Veits-Tanzes, zu dem er gezwungen,
rechtend mit der dunklen unerforschlichen Macht, die jene Kreise umschrieb, sich
mehr als es einem Magen, der ohnedies nur schwächlicher Konstitution, zusagt,
hinaussehnt ins Freie. Und der tiefe Schmerz dieser Sehnsucht mag nun wieder
eben jene Ironie sein, die Sie, Verehrte, so bitter tadeln, nicht beachtend, dass
die kräftige Mutter einen Sohn gebar, der in das Leben eintritt wie ein
gebietender König. Ich meine den Humor, der nichts gemein hat mit seinem
ungeratenen Stiefbruder, dem Spott!« - »Ja,« sprach die Rätin, »eben dieser
Humor, dieser Wechselbalg einer ausschweifenden grillenhaften Phantasie, ohne
Gestalt, ohne Farbe, von dem ihr harten Männerseelen selbst nicht wisst, für wen
ihr ihn ausgeben sollt nach Stand und Würden, ebendieser ist es, den ihr uns
gern als etwas Großes, Herrliches unterschieben möchtet, wenn ihr alles, was uns
lieb und wert, in bitterem Hohn zu vernichten trachtet. - Wissen Sie wohl,
Kreisler, dass Prinzessin Hedwiga noch jetzt ganz außer sich ist über Ihre
Erscheinung, über Ihr Betragen im Park? Reizbar wie sie ist, verwundet sie jeder
Scherz, in dem sie nur die leiseste Verspottung ihrer Persönlichkeit findet,
überdies aber beliebten Sie, lieber Johannes, sich ihr als ein vollkommen
Wahnsinniger darzustellen und ihr so ein Entsetzen zu erregen, das sie hätte auf
das Krankenlager werfen können. Ist das zu entschuldigen?
