
    Meister Abraham trat vor die Türe, und sogleich stand in dem Schimmer ein
zweiter Meister Abraham ihm zur Seite.
    Kreisler merkte die Wirkung eines verborgenen Hohlspiegels und ärgerte sich
wie jeder, dem das Wunderbare, woran er geglaubt, zu Wasser gemacht wird. Dem
Menschen behagt das tiefste Entsetzen mehr, als die natürliche Aufklärung
dessen, was ihm gespenstisch erschienen, er will sich durchaus nicht mit dieser
Welt abfinden lassen; er verlangt etwas zu sehen aus einer andern, die des
Körpers nicht bedarf, um sich ihm zu offenbaren.
    »Ich kann,« sprach Kreisler, »ich kann nun einmal, Meister, Euren seltsamen
Hang zu solchen Foppereien nicht begreifen. Ihr präpariert das Wunderbare, wie
ein geschickter Mundkoch, aus allerlei scharfen Ingredienzien und meint, dass die
Menschen, deren Phantasie, wie der Magen der Schlemmer, flau geworden, irritiert
werden müssen durch solches Unwesen. Nichts ist abgeschmackter, als wenn man bei
solchen vermaledeiten Kunststückchen, die einem die Brust zusammenschnüren,
dahinterkommt, dass alles natürlich zugegangen.«
    »Natürlich! - natürlich,« rief Meister Abraham, »als ein Mann von ziemlichem
Verstande solltet Ihr doch einsehen, dass nichts in der Welt natürlich zugeht,
gar nichts! - Oder glaubt Ihr, werter Kapellmeister, dass deshalb, weil wir mit
uns zu Gebote stehenden Mitteln eine bestimmte Wirkung hervorzubringen vermögen,
uns die aus dem geheimnisvollen Organism strömende Ursache der Wirkung klar vor
Augen liegt? - Ihr habt doch sonst vielen Respekt vor meinen Kunststücken
gehabt, unerachtet Ihr die Krone davon niemals schautet.« - »Ihr meint das
unsichtbare Mädchen,« sprach Kreisler.
    »Allerdings,« fuhr der Meister fort, »eben dieses Kunststück - es ist wohl
mehr als das - würde Euch bewiesen haben, dass die gemeinste, am leichtesten zu
berechnende Mechanik oft mit den geheimnisvollsten Wundern der Natur in
Beziehung treten und dann Wirkungen hervorbringen kann, die unerklärlich, -
selbst dies Wort im gewöhnlichen Sinn genommen, bleiben müssen.« - »Hm,« sprach
Kreisler, »wenn Ihr nach der bekannten Theorie des Schalls verfuhret, den
Apparat geschickt zu verbergen wusstet und ein schlaues gewandtes Wesen an der
Hand hattet -«
    »O Chiara!« rief Meister Abraham, indem Tränen in seinen Augen perlten, »o
Chiara, mein süßes liebes Kind!«
    Kreisler hatte noch nie den Alten so tief bewegt gesehen, wie dieser denn
von jeher keiner wehmütigen Empfindung Raum geben wollte, sondern dergleichen
wegzuspotten pflegte.
    »Was ist das mit der Chiara?« fragte der Kapellmeister.
    »Es ist wohl dumm,« sprach der Meister lächelnd, »es ist wohl dumm, dass ich
Euch heute erscheinen muss wie ein alter weinerlicher Geck, aber die Gestirne
wollen
