 verwandelt, kamen dann wohl selbst zur Fürstin, und
fragten sie, wie es möglich gewesen, dass sie und der ganze Hof sich sonst an
langen Mittagsmahlzeiten an verschiedenen Tafeln gequält, sich mit dem Minister
über sein großes Haus entzweit, mit der alten fürstlichen Tante wegen eines zu
späten Eintreffens bei der Kour erzürnt hätten. - Die Fürstin musste dann über
sich selbst lachen; sie konnte sich selbst nicht begreifen, und bat den Minister
scherzend, er möchte sich doch jetzt wieder ein recht schönes Haus bauen, es
würde ihr keinen Ärger mehr machen. - Wie glücklich könnten kleinere Staaten
sein, wenn es keine größeren gäbe!
    Doch traten jetzt über Europa größere Staatsbewegungen ein, die eben so die
vieljährigen Bemühungen kleinerer Fürsten durch eine bloß zufällige
Zwischenwendung verstörten, wie die Haushaltungen einzelner Menschen. Die
Fürstin fühlte sich in diesen Wirkungen und Gegenwirkungen der Zeit zu schwach,
ihrem Völkchen bei den eindringenden kolossalen Massen eine feste Richtung zu
geben, eben so unwürdig schien es aber ihrer festen Natur, sich und die Ihren
jeder neuen übermächtigen Willkür hinzugeben, sie meinte den Geschäften entsagen
zu müssen, die sie nicht mehr mit Lust und Überzeugung verwalten konnte. Der
Minister musste aus Freundschaft zu ihr, alle Geschäfte allein übernehmen, nur in
ganz bedeutenden Fällen wollte sie zugezogen sein. In dieser teilnehmenden Ruhe
gewann der Gram über manche vereitelte wohltätige Absicht solchen Einfluss auf
ihren unter Geschäften sonst unveränderlichen Geist, dass alle ihre Umgebungen in
der Sorge für ihr Leben, jede andre vergaßen, und sich beeiferten durch allerlei
sinnreiche Erfindungen ihrer Laune Abwechselung zu verschaffen. Aber bald sind
diese Mittel erschöpft, wo der Leidende nicht selbst daran mitarbeitet; die
Fürstin suchte in allem Nahrung ihrer Trauer; die schauerlichsten Lieder waren
die einzigen, die sie anhören mochte, und sie selbst, die sonst nur Scherze zu
den Maskenspielen des Hofes auszudenken gewohnt war, vertiefte sich jetzt in
allerlei Dichtungen, denen die meisten, welche nicht ihre Art und die Beziehung
näher kannten, heimlich den Titel der Unsinnigkeit beilegten, die um so
gefährlicher sei, da sie ansteckend wäre, und schon in der Stadt eine Menge
junger Leute ergriffen habe. Wir wissen, was es mit dieser Verdammung der
meisten Leute zu sagen hat, die jedes Gedicht mit dem Verdrusse in die Hand
nehmen, dass es ihnen Zeit koste es auszulesen, und nun sogar zum Begreifen einer
nicht alltäglichen Idee aufgefordert werden. Eines Tages fiel auch dem Minister
eines ihrer Lieder in die Hände, das ihn sehr nachdenkend machte, und woraus wir
ein paar Strophen hier mitteilen wollen.
                                   Luftfahrt
Dein Haupt leg nach Morgen,
So fliehen die Sorgen
Und schimmernde Träume
Zu kommen nicht säumen,
Durchstrahlen die Locken
Von Luft umwallt,
Von Vöglein schallt
Ein himmlisches Locken.
                                       1.
