 hierauf mit sehr viel Einsicht und ruhigem Ausdruck,
wie er Ottilien in Absicht eines freieren Betragens, einer bequemeren
Mitteilung, eines höheren Blicks in die weltlichen Dinge, der sich mehr in ihren
Handlungen als in ihren Worten betätige, sehr zu ihrem Vorteil verändert finde,
dass er aber doch glaube, es könne ihr sehr zum Nutzen gereichen, wenn sie auf
einige Zeit in die Pension zurückkehre, um das in einer gewissen Folge gründlich
und für immer sich zuzueignen, was die Welt nur stückweise und eher zur
Verwirrung als zur Befriedigung, ja manchmal nur allzuspät überliefere. Er wolle
darüber nicht weitläufig sein; Ottilie wisse selbst am besten, aus was für
zusammenhängenden Lehrvorträgen sie damals herausgerissen worden.
    Ottilie konnte das nicht leugnen; aber sie konnte nicht gestehen, was sie
bei diesen Worten empfand, weil sie sich es kaum selbst auszulegen wusste. Es
schien ihr in der Welt nichts mehr unzusammenhängend, wenn sie an den geliebten
Mann dachte, und sie begriff nicht, wie ohne ihn noch irgend etwas
zusammenhängen könne.
    Charlotte beantwortete den Antrag mit kluger Freundlichkeit. Sie sagte, dass
sowohl sie als Ottilie eine Rückkehr nach der Pension längst gewünscht hätten.
In dieser Zeit nur sei ihr die Gegenwart einer so lieben Freundin und Helferin
unentbehrlich gewesen; doch wolle sie in der Folge nicht hinderlich sein, wenn
es Ottiliens Wunsch bliebe, wieder auf so lange dorthin zurückzukehren, bis sie
das Angefangene geendet und das Unterbrochene sich vollständig zugeeignet.
    Der Gehülfe nahm diese Anerbietung freudig auf; Ottilie durfte nichts
dagegen sagen, ob es ihr gleich vor dem Gedanken schauderte. Charlotte hingegen
dachte Zeit zu gewinnen; sie hoffte, Eduard sollte sich erst als glücklicher
Vater wiederfinden und einfinden, dann, war sie überzeugt, würde sich alles
geben und auch für Ottilien auf eine oder die andere Weise gesorgt werden.
    Nach einem bedeutenden Gespräch, über welches alle Teilnehmenden
nachzudenken haben, pflegt ein gewisser Stillstand einzutreten, der einer
allgemeinen Verlegenheit ähnlich sieht. Man ging im Saale auf und ab, der
Gehülfe blätterte in einigen Büchern und kam endlich an den Folioband, der noch
von Lucianens Zeiten her liegengeblieben war. Als er sah, dass darin nur Affen
enthalten waren, schlug er ihn gleich wieder zu. Dieser Vorfall mag jedoch zu
einem Gespräch Anlass gegeben haben, wovon wir die Spuren in Ottiliens Tagebuch
finden.
                            Aus Ottiliens Tagebuche
Wie man es nur über das Herz bringen kann, die garstigen Affen so sorgfältig
abzubilden! Man erniedrigt sich schon, wenn man sie nur als Tiere betrachtet;
man wird aber wirklich bösartiger, wenn man dem Reize folgt, bekannte Menschen
unter dieser Maske aufzusuchen.
    Es gehört durchaus eine gewisse Verschrobenheit dazu, um sich gern mit
Karikaturen und Zerrbildern abzugeben. Unserm guten Gehülfen danke ichs,
