 Maria - »Geliebter Vater! ich beschwöre Sie!
sagen Sie mir, ist es wahr, dass die Umstände Alles und alles bestimmen? Ja, dass
der Mensch sein Heiligstes den Umständen unterwerfen müsse?
    Das wolle der Himmel verhüten!
    Sehen Sie, Allwina!
    »Sie drücken das,« - sagte Allwina errötend - »was ich unter ganz andern
Bedingungen behauptete, so hart aus, dass es hier als Unsinn erscheint.«
    »Das würde es unter jeder Bedingung.« - antwortete ich mit Verachtung -
»Nicht allein hat Maria Sie, sondern Sie selbst haben sich missverstanden. Wer
aber - fuhr ich mit gehaltenem Unwillen fort - sich selbst nicht versteht,
vermag nicht einem Andern zu raten, noch weniger ihn zu leiten. Somit haben Sie
sich selbst an die Stelle gesetzt, wo Sie nun nach meinem ausdrücklichen Willen
verbleiben. Sie sind nicht mehr Mariens Ratgeberin, sondern ihre
Gesellschafterin, und bleiben dieses nur, so lange Sie sich jedes Rates
enthalten.«
    Ich bin hier auf Iwanovens Befehl!
    Und bleiben hier auf ihren Befehl; bei Maria aber nur unter der Ihnen
mitgeteilten Bedingung.
    Sie eilte fort, zitternd und glühend vor Zorn.
»Ach, mein geliebter Vater!« - sagte Maria, nachdem sie bestürzt eine Weile
geschwiegen hatte - »Wär' ich doch bei Ihnen! bei Ihnen allein! Fern von diesen
Menschen! - O Gott, seitdem ich hier bin, fühl' ich eine Angst! eine
Beklemmung!«
    Auch ich, Maria, fühlte diese Beklemmung. Auch mich wollte düstere Ahnung zu
Boden drücken; doch Mut und Beharrlichkeit hielten mich aufrecht. Maria wird
sich auf ihre Unschuld stützen.
    Was will Iwanova mit mir?
    Ihr Scherz hat es verraten.
    Wär' es möglich!
    Was ist denen, die kein anderes Gesetz, als ihren Willen kennen, nicht
möglich? - Noch befindet sich Iwanova nicht in diesem Falle ....
    O ja! ja! Eine schreckliche Leidenschaft wütet in ihrem Inneren. Schon kann
sie die gemeinste Billigkeit nicht mehr erkennen. Ach, geliebter Vater! darf ich
Ihnen etwas gestehen?
    Maria? mir!
    Man nennt Iwanova die Große - wohl mag es verwegen sein - aber ich bekenne,
dass sie mir sehr klein erschienen ist.
    Maria versicherte: sie liebe Iwanova. -
    Ich kannte sie nicht!
    Glaubt Maria sie jetzt schon zu kennen?
    Ich ahnte wohl, dass mein Urteil unbesonnen und verwegen war!
    Ihr Urteil war Ihrer jedesmaligen Empfindung angemessen. »Geliebte,« -
sagt' ich, ihre Hand ergreifend - »Iwanova verdient wirklich den Namen der
Großen; doch in einem andern Sinne, als den das Volk fassen kann, in einem
Anderen, als den Maria mit diesem
