 vermöge welcher erschütternde Sensationen ihm
allein lieb und wert waren. Er konnte der Mann, aber nie der Gemahl der
Prinzessin werden; denn um das letztere zu werden, hätte er sie begreifen und
verstehen lernen müssen, wozu auch nicht die mindeste Anlage in ihm war, ob man
gleich nicht mit Wahrheit behaupten konnte, dass es ihm an gesundem Verstande und
an einem gewissen Adel in den Gesinnungen fehle. Auf jeden Fall musste die
körperliche Schönheit der Prinzessin für dies Verhältnis das Beste tun, und die
Sinnlichkeit des Erbprinzen die Vermittlerin einer Harmonie werden, die, wie
lange sie auch dauern mochte, ihre Dauer nie über die den körperlichen Reizen
von der Hand der Natur selbst gesetzten Schranken hinaus erstrecken konnte. Auch
quälte mich in Beziehung auf die Prinzessin nichts so sehr, als der Gedanke an
ein trostloses Alter, und mit Schaudern dachte ich an ihre Schwiegermutter
zurück, die, bei einem weit geringeren Grad von hellen Gedanken und bestimmten
Empfindungen, so nahmenlos unglücklich geworden war, dass man ihr Schicksal
verabscheuen musste.
    Noch war seit unserer Trennung kein Jahr verstrichen, als mir die Prinzessin
meldete, dass sie sich schwanger fühle. Wie viel Mühe es ihr auch gekostet haben
mochte, die mit diesem Geständnis für sie verbundene Schaamröte zu überwinden,
so durchblitzte mich doch bei dieser Nachricht ich weiß selbst nicht welche
Ahnung eines besseren Geschickes für meine Freundin. Nicht als hätte ich
künftige Mutterfreuden in einen hohen Anschlag gebracht; wie hätte ich dies tun
können, da ich aus Erfahrung wusste, dass die Kinder fürstlicher Personen nur
einen politischen Wert haben, und eben deswegen als Unterpfänder gegenseitiger
Liebe wenig oder gar nicht auf ihre Eltern zurückwirken? Sondern weil ich mir
sagte, dass der Zweck der ursprünglichen Verbindung meiner Freundin mit dem
Erbprinzen jetzt erfüllt würde, und dass sich von dieser Erfüllung ein höheres
Maß von Freiheit für die vom Schicksal Verfolgte erwarten ließe. Meine Ahnung
war, wie die Folge zeigen wird, sehr richtig; was mir aber für den Augenblick
die höchste Genugtuung gewährte, war: dass der ganze ...sche Hof, von dem ersten
Augenblick der erklärten Schwangerschaft der Erbprinzessin an, um meine Freundin
Kreis schloss, dass der alte Herzog außer sich war vor Freuden, seinen letzten
Wunsch in Erfüllung gehen zu sehen, dass selbst die Herzogin zu einem neuen Leben
erwachte, als sie die erfahrne Ratgeberin machen konnte. Dazu kam noch, dass,
außer den Jagdpartien, welchen die Erbprinzessin gegen alle ihre Neigungen
hatte beiwohnen müssen, noch alle übrigen geräuschvollen und heftigen
Zeitvertreibe eingestellt wurden, welche ihren gegenwärtigen Zustand gefährlich
machen konnten. Der ganze Hof wurde durch die Erwartung der Dinge, die da kommen
sollten, in eine Stimmung gebracht, welche dem ruhigen, von keinen
Leidenschaften zersetzten Gemüt meiner
